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Samstag, 15. August 2015

Para-Schranz in Stans



Der sicher bekannteste Spuk- bzw. Poltergeist-Fall im deutschsprachigen Raum ereignete sich ab 1860 in Stans in der Schweiz, in einem Haus in dem die Familie Joller lebte. Die Familie bestand aus Melchior Joller, Rechtsanwalt & Politiker, seiner Frau und sieben Kindern. Hinzu kamen noch zwei Hausmädchen (im fraglichen Zeitfenster wurde einer gekündigt und eine andere trat ihren Dienst an) und einem Arbeiter.

Die Vorfälle begannen, wie bereits erwähnt, 1860, schwächten sich dann ab, um im Jahr 1862, genauer im Herbst, dafür um so extremer in Erscheinung zu treten, was auch dazu führte dass die Familie nach sechs Wochen das Haus verließ und es weit unter Preis verkaufte, um nach Zürich zu ziehen (wo der Spuk weiter ging) um dann letztlich nach Rom zu gehen, wo Joller 1865 recht früh, im Alter von nur 47 Jahren, verstarb.

1863 verfasste er eine „Denkschrift“ mit dem Titel „Darstellung selbsterlebter mystischer Erscheinungen“ mit einem Umfang von 65 Seiten, dass „Manuskript“ hierfür war sein Tagebuch in welches er minutiös die Effekte eintrug. Wesentliche Teile dieser Denkschrift veröffentliche die deutsche Parapsychologin und Autorin Fanny Moser im Jahr 1950 unter dem Titel SPUK – EIN RÄTSEL DER MENSCHHEIT.

Der Spukfall ist „klassisch“ zu nennen. Gepolter, körperlose Schritte und Stimmen, fallende Steine „vom Himmel“, sich öffnende und zufallende Türen usw. Wer sich für die genauen Abläufe interessiert findet hier weitreichende Informationen: www.das-spukhaus.de

Was den Joller-Fall von vielen anderen unterscheidet, ist die Anwesenheit zahlreicher Zeugen – denn der Spuk war nicht schüchtern und polterte auch bei vollem Haus, dies so laut dass selbst die Nachbarn den Lärm mitbekamen.

Der Grund weshalb mich der Fall interessiert, ist eigentlich nicht im Spukgeschehen selbst begründet, sondern viel mehr in einer Aussage des deutschen Parapsychologen Walter von Lucadou.

In der Dokumentation DAS SPUKHAUS von Volker Anding, äußerte er, dass nicht „externe“ Kräfte (also Geister wie sie sich im Volkstum  darstellen) am Werk waren, sondern in einem der betroffenen Zeugen gründeten. Wahlweise in Joller selber (der finanzielle Probleme hatte) oder einem seiner Kinder. Das bedeutet, dass nach Ansicht von Lucadou der Spuk von einem Menschen ausgelöst worden war!

Die Sache ist deshalb aufschlussreich, weil im Haus nicht nur gepoltert wurde, sondern auch allerhand Entitäten beobachtet worden sind, was der Arbeitshypothese gemäß bedeutet, dass diese also letztlich auch von einem Menschen „erschaffen“ wurden.

Das beinhaltet Implikationen zu anderen Paragebieten, etwa wenn die Frage nach der Herkunft von „Ufonauten“ und Kryptiden behandelt wird. Werden auch diese von Menschen erschaffen? Irgendwo in einem „Grenzgebiet“ zwischen dem Bewusstsein des „Spuk-Agenten“ und der „äußeren“ physischen Welt?

In Stans tauchten alle möglichen „Besucher“ auf. Das begann mit geisterhaften kleinen „Kindern“ (Mädchen und Buben) und schloss auch junge Frauen mit ein. Etwas gruseliger waren da andere Formen. Zitat aus dem Buch von Fanny Moser:

weißliche, unförmige Gestalt“;  „graue Gestalten“; „formlose Gestalten“; „[aus der] Höhe herniederfahrende, zuckerhutförmige Gestalt mit unzähligen blauen Flämmchen“; „durchsichtiges, graues Wölkchen“; “eine schneeweiße, oben und unten sich oval abrundende Gestalt in ganzer Türhöhe“; „ein weißes Gebilde, einem winkenden Händchen ähnlich“; „wie ein dreizipfliges graues Tüchlein“; „helllodernde Lichtflamme wenige Fuß über dem Boden“; „Schattenbild wie von einer großen Menge zappelnder Hände vor den Fenstern“; „graue, unförmige Gestalt“; „eine weißliche Erscheinung […] in der Form von zwei armen mit schneeweißen, breiten, vorne zugespitzten Händen“; Säulen und Pyramiden aus Rauch oder Nebel“.

In Zürich ging der Spuk, wie erwähnt, weiter, in Stans ebbte er dafür völlig ab. Eines Nachts, Joller war damals alleine, muss es besonders schlimm zugegangen sein. Überliefert von seinen Angehörigen ist seine spätere Aussage „Jetzt habe ich verstanden“. Was er genau verstanden hat ist unklar, jedoch versuchte er bis zu seinem Tod eine Audienz beim Papst zu bekommen, um darüber zu berichten, was jedoch nicht gelang.

Es kann durchaus sein, dass er von einer „Erscheinung“ eine Botschaft bekommen hatte, mit der Aufforderung diese zum Chef des Vatikans zu tragen. Ähnliche Berichte sind in der Geschichte nicht unbekannt.

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