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Donnerstag, 20. August 2015

Xenoglossie und die Greise von Wamfin


Auf einem meiner alten Blogs habe ich ja schon berichtet, dass ich im russischen Fernsehen einen Beitrag über eine bulgarische Heilerin / Prophetin namens Baba (Oma / Großmutter) Wanga gesehen habe. Berichtet wurde dort vor allem über die merkwürdigen technischen Phänomene* vor/bei ihrem Tod.

Zum Thema habe ich mir ein Buch organisiert, welches nun bei mir eingetroffen ist: „Vanga - Das Phänomen: Die Seherin von Petritsch“ von Krasimira Stojanowa, ihrer Nichte, die rund 30 Jahre bei ihr gelebt hat.

Einführung

Aufgrund meines russischen Migrationshintergrundes ;-) sind mir solche „Heilerinnen“ nicht ganz unbekannt. 1922, meine Großmutter war damals sechs Jahre alt und lebte mit ihren Eltern in Petersburg / Petrograd, hatte sie einen Unfall. Ein Kieferbruch, der jedoch nicht behandelt werden konnte, da die Kommunisten nach der unseligen Revolution systematisch alle Ärzte ermordet hatten, wer noch praktizierte, praktizierte im Geheimen.

Der Kiefer begann zu eitern und eine aufkommende Blutvergiftung ließ auf einen baldigen Tod schließen. Jedoch wurde meinen Vorfahren geraten eine alte Heilerin zu kontaktieren, die abgelegen am Stadtrand lebte. Meine Großmutter reiste also mit ihren Eltern an.

Angekommen musste sie dort den Kopf auf den Schoß der alten Frau legen. Diese begann etwas zu murmeln, legte ihre Hände auf den Bruch, Wärme entstand, es traten keine Schmerzen auf. Der Kiefer gesundete innerhalb weniger Tage, von Eiterung und Blutvergiftung war nichts mehr zu sehen.

Kurioserweise hatte meine Großmutter ein paar Jahre später ein weiteres, ungewöhnliches Erlebnis. 1925, damals im Alter von neun Jahren, beobachtete sie beim Spielen eine hellstrahlende, weiße Frauengestalt, die an ihr "vorüberschwebte" und in der Wand verschwand.

Mag sein, dass ein Zusammenhang besteht, war die Frau verstorben und geisterte zum Abschied bei ihrer ehemaligen „Patientin“ vorbei?

Ich weise auf diesen „Hintergrund“ hin, weil Westeuropäer mit dem Themenkomplex Heiler oft nichts anfangen können und sich vielleicht wundern, weshalb ich von der Effektivität solcher Personen überzeugt bin - wer heilt, hat eben Recht!

Baba Wanga

Wanga (eigentlich -griechisch- Wangelia: „Überbringer einer guten Nachricht“) wurde am 31-01-1911 in Strumitza (Mazedonien) geboren (sie verstarb 1996). Später übersiedelte man nach Bulgarien, die Familie lebt nach dem Verlust des Vermögens mehr schlecht als recht und der Hunger war ein Dauergast im Hause.

Im Alter von etwas über 12 Jahren ereignete sich ein bizarrer Unfall, der sie das Augenlicht kostete. Sie wurde von einer Windhose in die Lüfte gehoben [sic] und landete auf einem Acker, in ihren Augen hatte sich so viele Schmutz und Dreck angesammelt, dass sie erblindete.

Sie genoss eine rudimentäre Ausbildung in der Blindenschule, arbeitete hart und führte ein wenig spektakuläres, religiös geprägtes Leben, bis sich 1940 plötzlich ihre „Visionen“ einstellten: sie kündigte den Einmarsch deutscher Truppen im Jahr 1941 auf den Tag genau an.

Daneben wusste sie welche Bauern aus ihrer Nachbarschaft vom Wehrdienst zurückkehren würden und welche gefallen waren. Auch betätigte sie sich als Heilerin. Ihre „Quote“ muss ziemlich beeindruckend gewesen sein, bis zu 100 Menschen am Tag suchten bei ihr Rat. Daneben konnte sie auch Verschwundene und Verunglückte aufspüren.

Die „Quelle“

Wanga hatte nie behauptet, dass die Fähigkeiten in ihr selbst begründet sind. Die „Erklärung“ die sie über die „Quelle“ abgab sind recht merkwürdig, wenn man weiß dass sie kaum gebildet war und sich ihre Lebenswirklichkeit sonst aus der Orthodoxie und den dortigen Glaubensdogmen ableitete. So konnte sie offenbar „Personen“ sehen, die sonst keiner sah:

Sie sind durchsichtig und sehen aus, als würde ein Mensch sein Ebenbild im Wasser betrachten. Sie tragen Kleider, die Rüstungen gleichen und wie Schuppen eines Fisches glänzen. Meist sind es alte Männer, eher Greise. Mir scheint, es gibt auch Frauen unter ihnen. Ihre Haare ähneln Algen. Sie sind weich wie Entendaunen und umkränzen ihren Kopf wie ein Heiligenschein.“

Offenbar wurde sie auch auf die „Welt“ der Anderen gebracht, unabhängig davon wie dies auch immer geschehen sein mag, kurioserweise konnte sie dort sehen:

Jene, die mich führen, bewegen sich sehr schnell. Sie springen, eilen voraus und kehren wieder zurück. Auf ihrer Erde ist alles sehr, sehr schön. Es gibt eine wunderbare Natur. Es ist einfach unbeschreiblich… Ich frage mich nur, warum ich nirgends Häuser sehe.“

Sie sagen zu mir, ich sei für sie die direkteste Verbindung zur Erde. Sie kontrollieren uns. Sie erlauben mir nicht, über das zu reden, was ich auf ihrer Erde höre und sehe. Manchmal sagen einige von ihnen zu mir: ‚Wir haben nicht viel Zeit, denn wir müssen sofort zurück. Verlange nicht viel von uns und frage nicht, denn es ist uns verboten zu reden…“

Es wird auch Bezug genommen zur Herkunft der „Besucher“ –was die Sache eher noch nebulöser macht- und ihrer Flugvehikel:

(Sie stammen) „Von einem Planeten, den sie selbst „Wamfin“ nennen, zumindest habe ich den Namen so verstanden. Sie sagten, er sei von der Erde aus der Dritte.“

Ihr seht es nicht, aber am Himmel sind viele Flugapparate unterwegs. Drinnen sind sie meist zu dritt und sie haben ganz spezielle Geräte.“

Die eigentliche „Arbeit“ mit den Fremdlingen gestaltete sich dann auch etwas merkwürdig:

„(…) Aber jeden Tag, an dem ich meine Besucher empfange, stellt sich eine Frau zu mir. Sie ist blau-weiß gekleidet. Einer Diensthabenden gleich sagt sie mir, was ich der Person vor mir mitzuteilen habe, und ich wiederhole es“.

Wenn jemand zu mir kommt, ist es, als würde sich in meinem Kopf ein Fenster öffnen, und ich sehe sein ganzes Leben wie in einem Kinofilm vor mir ablaufen – vom Anfang bis zum Ende – und über mir höre ich eine Stimme, die mir sagt, was ich bekannt zu geben habe.“

Das ganze Brimborium erinnert stark an die –pseudoreligiösen- „Schauungen“ in Fatima / Portugal und jene von Hildegard von Bingen, wo sich offenbar die physische Komponente mit der des Offenbarungsspiritismus verband - die Begegnung mit Fremdentitäten als religiöses Erlebnis.

Dazu passte auch die „Datenübermittlung“ über Xenoglossie (aus griechisch: xenos –fremd- und glossa -Zunge, Sprache- ist die Fähigkeit, eine fremde Sprache zu sprechen, ohne sie gelernt zu haben) wobei Wanga in einen veränderten Bewusstseinszustand fiel. Dabei ist nicht klar ob die „Botschaften“ wirklich in einer „Fremdsprache“ dargeboten wurden, oder wegen des veränderten Stimmrhythmus einfach nur unverständlich waren.

Krasimira Stojanowa, die Autorin des Buches spekulierte über die „Heimat der Fremden“:

Die Bewohner dieser Erde sind durchsichtig und sehen aus, als würde man sein Ebenbild im Wasser betrachten; gekleidet sind sie mit dünnen, glänzenden Kleidern… sie erzählen Wanga von der Zukunft. Warum wohl? Weil sie von dort kommen!

Syrien als „Zeitenwende“

Wie viele Propheten vor & nach ihr, kündigte sie eine Phase dramatischer Umwälzungen an, Naturkatastrophen, gesellschaftlichen Kataklysmus usw. 1981 fragte man sie, ob diese Phase bald anbrechen werde, dazu sagte sie: „Nein, nicht bald. Noch ist Syrien nicht gefallen“ (Seite 116).

Das Buch ist übrigens aus dem Jahr 2004, also Jahre vor der aktuellen Syrienkrise. Anschließend (also nach der globalen Umbruchszeit) werden die „Abgesandten des Himmels anfangen mit den Menschen in Kontakt zu treten“ – wobei unklar ist wer oder was diese „Abgesandten“ sind…

Leben & Tod

„Extravagant“ waren auch ihre religiösen Vorstellungen, zumindest wenn man sich vergegenwärtigt, dass sie in der Orthodoxie tief verwurzelt war. Jesus beschrieb sie als riesigen „Feuerball“ der starkes Licht abstrahlt, ein Konzept wie wir es heute von Tondesnaherlebnissen (TNE) her kennen.

Sie vertrat das deterministische Weltbild, unser Leben ist demnach bereits vorgezeichnet, wie eine Rolle in einem Film. Auch hier gibt es Anleihen zu TNEs. Reanimierte schilderten nicht nur eine „Lebensrückschau“ sondern auch eine „Lebensvorschau“ mit Ereignissen in der Zukunft.

Sie ging auch von Wiedergeburt aus und brachte dazu eine interessante Analogie die fast aus dem Hinduismus stammen könnte, sein erstes leben beende man als Unwissender, seil letztes als Meister.

Resümee

Das Buch ist ausgesprochen interessant, wird aber nicht jedem gefallen. Hier vermischen sich ufologische Inhalte (Fremdentitäten, Objekte am Himmel) mit paranormalen Aspekten (Prophetie, Xenoglossie). 

Wer die Werke von Raymond Fowler lesen kann ohne an die Decke zu gehen, wird viel Bemerkenswertes in dem besprochenen Buch finden!

* Auf diesen Aspekt ging die Autorin leider nur sehr kurz ein, wahrscheinlich weil es für sie nicht weiter wichtig war. Bei Wanga sollte eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt zur „Notbeatmung“) durchgeführt werden. Zitat: Um 10:05 Uhr, genau als sie mit dieser Prozedur begannen, fiel plötzlich der Strom aus. Das Gerät, an das man sie angeschlossen hatte, setzte aus. […] Um 10:10 Uhr starb Wanga.“ Tatsächlich war sie ins Regierungskrankenhaus eingeliefert worden, in das ansonsten Vips der bulgarischen Staatsführung zur Behandlung kamen, es war also das modernste und bestausgestattete KH in Sofia. Der Stromausfall betraf dabei das ganze Haus, das Notstromaggregat versagte ebenfalls den Dienst, beides sprang nach dem Tod Wangas wieder an. Dies war in der Klinik weder zuvor, noch danach jemals geschehen...