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Sonntag, 20. September 2015

Abductees auf dem Scheiterhaufen:
Hexenprozesse & Ufologie


Dem Hexenwahn, der ungefähr vom 16ten bis zum 18ten Jahrhundert währte, fielen etwa 50.000 Menschen zum Opfer. Die meisten Angeklagten kamen aus dem Territorium des heutigen Deutschland, etwa 25.000, wobei die Regionen die heute Baden-Württemberg und Bayern stellen mit 9.000 das Hauptepizentrum bildeten. 75-80% der Hingerichteten waren Frauen. Es lassen sich ungefähr vier Gruppen eruieren gegen die damals ermittelt wurde: 

► Opfer von Intrigen. Oftmals wohlhabende Kaufleute oder politisch aktive Persönlichkeiten. Dies gelang wenn es den Gegner möglich war den heimischen Klerus einzuspannen. „Gearbeitet“ wurde mit Folter, die erpressten „Aussagen“ gegen andere brachten immer mehr Personen ins Visier der Anklage. Wenn man Glück im Unglück hatte, wurde die Zahl der Beschuldigten zum Schluss so groß, dass die überregionale Gerichtsbarkeit oder der Klerus einschritten. 

► Überführte Verbrecher die kein „normales“ Tatmotiv angaben, sondern sich dabei auf „Teufel“ und „Dämonen“ beriefen, in deren Auftrag sie gehandelt haben sollen. Damals waren die Menschen teufelgläubig wie gottgläubig, so dass solche Aussagen durchaus die Vorstellungswelt jener Zeit darstellten. 

► Personen mit „Verhaltensauffälligkeiten“, heute würde man sagen Menschen mit psychischen Störungen. Relativ oft spielten dabei verwirrte ältere Damen eine Rolle, die sich so benahmen wie man es volkstümlich von einer „Hexe“ erwarten würde, Besenflug mal ausgenommen... 

► Die letzte Gruppe ist für diesen Beitrag am interessantesten. Es handelt sich dabei um Menschen die sich aus eigenem Antrieb heraus selbst angezeigt hatten, da sie um ihr Seelenheil fürchteten. Der Grund hierfür waren „unheimliche Begegnungen“. Aus den Reporten geht hervor, dass oftmals das Werk von Spuk und Poltergeist erlebt wurde und Begegnungen mit Entitäten stattfanden, die zeitgemäß als „Teufel“ oder Dämonen identifiziert worden sind. 

"Stecher" & Zuchtexperimente 

Besonders häufig wurden von Frauen „nächtliche Besuche“ durch den „Teufel“ beschrieben, der „sexuelle“ Handlungen vornahm. Dabei „war der Geschlechtsverkehr mit dem Teufel kalt, das Glied des Teufels war hart. Die Teufelsbuhlschaft war kein Vergnügen und steril. [...] Diese Art des Beischlafs war animalisch, erniedrigend. Andere Frauen erzählten von einer abscheulichen sexuellen Vereinigung mit einem nicht menschlichen Wesen.“ 


Diese Beschreibungen gehen konform mit den Inhalten heutiger Abductions. Allerdings werden die Vorfälle anders interpretiert, Außerirdische sind am Werk, nicht der Teufel. Der im selben Schlafraum befindliche Partner wird „ausgeschaltet“ und reagiert nicht auf Zurufe. 

Dieses Element wird bei der „Teufelsbuhlschaft“ beschrieben, als auch bei UFO-Entführungen. Fester Bestandteil der „Interaktion“ mit dem „Teufel“ war die zeitweilige Ortsversetzung. 

So wusste etwa der „Hexenjäger“ Nicolas Remi aus den verschiedenen Aussagen, „dass der Teufel Menschen mit Wirbelwinden in die Höhe heben und durch die Luft transportieren konnte“. 

Heutige Abductees die Gelegenheit hatten die Fremdentitäten anzufassen, sagten aus, dass diese „kühl“ oder „kalt“ waren, dass gleiche geht aus „Teufelsbegegnungen“ hervor, wobei man eher der Ansicht sein sollte, dass der Leibhaftige aufgrund seines höllischen „Wohnortes“ eher zur Hitze neigt. 

Er wurde nur selten detailliert beschrieben. Überliefert ist jedoch schwarze „Lederkleidung“, manchmal auch kuttenartige Gewandung, Roben. „Die Farbe des Teufels", so erfahren wir bei Roper, „ist Schwarz, und viele Dämonen tauchten als „schwarze Männer“ auf, was sich sowohl auf die Hautfarbe als auch auf ihre Bekleidung beziehen konnte.“ 


1702 berichtete die Augsburgerin Regina Groninger, dass ein „Schwarzer Mann“ sie nachts besuche. Er habe ihr dabei einen spitzen Gegenstand in den vorderen Leib gesteckt, was ihr starke Schmerzen verursacht habe. Den „Schwarzen Mann“ beschrieb sie als nichtmenschlich. 

Der Kopf sei rund und schwarz gewesen, ohne Augen, Nase und Mund. Der Körper war dürr bzw. mager. Die Hände glichen spitzen Klauen. Das obligatorische „Stechen“ wird immer wieder erwähnt, bei der Groninger war es der Unterleib, bei anderen etwa die Hände. 

Bei Betty Hill, und anderen UFO-Entführten weltweit, spielte es ebenfalls eine Rolle – nur waren die „Stecher“ diesmal keine Dämonen sondern „Außerirdische“. 

Dämonologie & Ufologie 

Wenn man so will ist die Dämonologie der Vorläufer der Ufologie. In beiden Gebieten geht es um die „Erforschung“ von Fremdentitäten. Irrigerweise wird angenommen, dass in der Dämonologie Dämonen angebetet wurden, dies ist jedoch völlig falsch. An sich wurde Feldforschung betrieben, Zeugen wurden befragt und Literatur durchforstet. 

Der „Hexenforscher“ Jean Bodin erkannte etwa, dass ein direkter Zusammenhang bestand zwischen der „Teufelsbuhlschaft“ und der Geburt „merkwürdiger“ Kinder, die er als „Vechselbelg“ bezeichnete und damit den „Wechselbalg“ meinte, eine Kreatur die man in der Ufologie als „Hybrid“ oder „Transgener“ kennt. 

Es spielt eigentlich keine Rolle ob die Hexen- und UFO-Berichte sich tatsächlich so abgespielt haben, denn das Erzählmuster ist das Gleiche. Zwischen den Berichten liegen Jahrhunderte. Man müsste feststellen, wie sich diese Übereinstimmungen erklären. 

Die These „Spinnerei“ zieht da nicht, es muss tatsächlich ein „Signal im Rauschen“ geben. Entweder „externe“ Einflüsse (Aliens & Co), oder noch unbekannte psychische Vorgänge in den betroffenen Menschen selbst! Das „Kernsubstrat der Erzählung“ „magische Wesen“ und „sexuelle Interaktion“ mit dem Ziel „Züchtung“ einer „Mischform“ reicht zurück bis in die ersten Mythen der Menschheit! [Quelle: Lyndal Roper, Hexenwahn - Geschichte einer Verfolgung, Beck Verlag] 

UFO über Stralsund 

Zu einer Zeit intensiver Hexenverfolgungen kam es immer wieder zu interessanten Himmelsschauspielen, wie jenem über Stralsund von 1665. Es würde durchaus Sinn machen Hexenprozess-Protokolle aus jener Epoche nach gelandeten „Himmelsbesuchern“ zu durchforsten, die für „Teufel“ oder ähnliches gehalten wurden!


Mehrere Fischer berichteten darüber, dass sie gegen zwei Uhr nachmittags einen großen Schwarm Stare beobachtet hätten, die aus Richtung Norden über das Meer geflogen gekommen wären. Während sie näher kamen, hätten sie sich in Schlachtschiffe verwandelt, die gegeneinander kämpften und von viel Rauch begleitet waren. 

Immer mehr Schiffe tauchten auf und der Kampf zog sich über Stunden. Dann änderte sich der Anblick ein weiteres Mal wie der Chronist Erasmus Finx 1680 berichtet: Nach einiger Zeit erschien eine flache, runde Form am Himmel, die wie ein Teller aussah oder der Hut eines übergroßen Mannes. 

Es hatte die Farbe des aufsteigenden Mondes und es schwebte genau über der Kirche St. Nicolai. Dort blieb es bis zum Abend ohne sich zu bewegen. Die Fischer waren zu Tode erschrocken, wollten das Spektakel nicht mehr weiter ansehen müssen und hielten sich die Hände vor das Gesicht. 

Am nächsten Tag fühlten sie sich krank. Sie zitterten am ganzen Körper und hatten Schmerzen in Kopf und Gliedern.“ In den Ordinari und Postzeitungen vom 10. April 1665 ist zu lesen: „(...) 

Alle Bürger, die das Spektakel beobachteten, sind zuverlässig. Gestern befragten Herr Colonel von der Wegck und Doktor Gessmann zwei der sechs Fischer. Möge Gott dieses Wunder in etwas Gutes wandeln.“ [Quelle: www.das-ufo-phaenomen.de übersetzt aus Illobrand von Ludwiger: Best UFO Cases - Europe]

Scheiterhaufen und der Mob 

Das ein Zusammenhang besteht zwischen den Aussagen (Inhalten) die bei Hexenprozessen gemacht worden sind und dem „modernen“ Abduction-Phänomen, hat mich nicht weiter verwundert, dass Thema beschäftigt mich ja schon seit einigen Jahren. 

Erstaunt hat mich viel eher, dass die „Klageführer“ bei den Prozessen weder der Klerus noch die Weltlichen waren, sondern der Mob von der Straße. Während die Richter es gerne bei Verwarnungen beließen oder Freisprüche erteilten, beharrten die „Mitbürger“ darauf die „Hexen & Hexer“ ins Feuer zu schicken und vorher noch ordentlich zu schinden. 

Oftmals mussten solche „Volksaufstände“ gegen die Angeklagten mit Gewalt niedergeschlagen werden. Die zeitgenössische Sicht der Dinge sieht die Kirche und die Jurisprudenz in der Schuld, Fakt ist aber, dass Ankläger und „Zeugen“ aus dem direkten Umfeld der Angeklagten kamen und in einem regelrechten Wahn alles taten um ein Todesurteil zu erwirken. 

Selbst „milde“ Urteile (Köpfen) oder der Verzicht auf Folter wurden vom Mob beanstandet! Von daher gruselten mich in dem Buch mehr die Berichte über die „Menschen“ jener Zeit, als die gelegentlich beschriebenen „Aliens“ aka „Dämonen“, offenbar sind nicht einmal „Dämonen“ so bösartig und verkommen wie ihre irdischen „Gegenstücke“!

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