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Montag, 21. September 2015

Aquasquatch


Vor ein paar Jahren habe ich eine Rezension zum Bigfoot-Thema gelesen. Es ging um das Buch “THE HOOPA PROJECT – Bigfoot Encounters in California”. Das Werk –welches mir jetzt vorliegt- zeichnet sich durch ein paar Eigentümlichkeiten aus.

Der Autor und Untersucher David Paulides ist ein Ex-Cop mit 20 Jahren Ermittlungserfahrung. Die Untersuchung der Bigfoot-Begegnungen nahm er so vor, wie er es vom Polizeidienst kannte. Folglich sind auch seine Reporte entsprechend verfasst –„police report format“- was ich mir auch innerhalb der Ufologie wünschen würde.

Mit dabei war auch ein forensischer Zeichner, also jemand der im Auftrag der Polizei ggf. der Gerichte anhand von Zeugenaussagen Phantombilder erstellt, namentlich Harvey Pratt. 

Diese sind erstaunlich, denn die Bigfoots bekamen endlich mal ein „Gesicht“ und zwar ein ziemlich menschliches, welches sich von den sonst üblichen groben Skizzen unterscheidet auf denen nur Affenvisagen zu sehen sind.

Paulides arbeitete selbstverständlich auch mit Karten –ich nehme ein Ergebnis schon mal vorweg- auf denen er die Sichtungsorte markiert hatte. Dabei stellte sich heraus das Sasquatch offenbar ein Aquasquatch ist, denn er trieb sich immer in der Nähe von Flüssen / Wasserläufen herum. Tatsächlich könnte sich die Kreatur hauptsächlich im Wasser bewegen um Menschen zu entgehen, was einzelne Berichte tatsächlich nahelegen.

Spätestens jetzt allerdings muss ich meine Begeisterung etwas bremsen und ein paar Basisinformationen einstreuen damit der Leser die Hintergründe erfährt:

Als Paulides zwölf Jahre alt war, 1968, war er mit seinem Vater in Nordkalifornien in der Wildnis unterwegs. Genauer in Lassen County / Antelope Creek. An einem Flusslauf entdeckten sie ein Lagerfeuer. Das kuriose war, dass keine Spuren im Sand zu sehen waren und sich ein bizarrer Effekt einstellte, den wir als OZ-Faktor kennen und den der Autor sehr treffsicher umschrieben hat:

It was almost as if a vacuum had sucked all of the noise out of the atmosphere“.

Obwohl nichts Bedrohliches zu sehen war, wirkte die Atmosphäre so fremdartig dass Vater und Sohn die Flucht ergriffen. Interessant ist dass der Vater von Paulides ebenfalls Polizist war und sich bewaffnet und aufmunitioniert hatte – dessen ungeachtet fuhren sie schleunigst zurück nach Hause.

Jahrzehnte später -nun selber Vater- war er mit seiner Tochter in der Wildnis unterwegs, als ihm ein Fremdenführer von einer eigenen Begegnung erzählte, was den Cop ermunterte der Bigfootsache nachzugehen.

Sein Rechercheschwerpunkt liegt im Hoopa-Valley / Hoopa-Valley-Indianerreservat / Humboldt County. „Bigfooter“ werden wissen dass sich dort der berühmte Bluff-Creek befindet wo „Patty“ gefilmt wurde (Patterson-Gimlin Film!).

• Die meisten Bigfootsichtungen ereignen sich in Kalifornien (Paulides fand 400 Berichte) und Washington State (450). In Washington State glänzt Skamania County mit den meisten Reporten (50, im Zeitfenster von 1950-2006). Kurioserweise sind die drei Countys mit den meisten Bigfootsichtungen auch die mit dem meisten Niederschlag im Jahr – Aquasquatch eben!

• Die einheimischen Hoopa (gesprochen „Hupa“) sind davon überzeugt, dass Bigfoot kein Lebewesen ist – damit entsprechen sie dem indianischen Mainstream. Bigfoot soll sich zwischen zwei Dimensionen („unserer“ Realität und einer „anderen“) bewegen und sich auch gerne auf Bäumen aufhalten.

Lediglich die zugewanderten „Bleichgesichter“ vermuten ein Lebewesen. Die Hoopa unterscheiden klar zwischen „echten“ Tieren, wie etwa einer –noch unentdeckten- Riesenschlange die sie „Kamoss“ nennen und dem „Riesenaffen“.

Die neueste Theorie der Bigfooter –zumindest jene die sich am stärksten verbreitet hat- geht davon aus, dass der Gigant sich in irgendwelchen Höhlensystemen herumtreiben soll. Mit diesem argumentativen „Feigenblatt“ will man verdecken dass man bis dato keine physischen Spuren entdeckt hat, die stichhaltigen Überprüfungen standhalten.

Obwohl ich die Literatur kenne -und die entsprechenden Fallsammlungen- fallen mir keine Fälle ein wo sich Bigfoot als Höhlenbewohner hervorgetan hat, dies wäre auch ziemlich dumm, da die meisten Höhlensysteme eben nur einen „Ein-/Ausgang“ haben und nichts weiter sind als Fallen.

Aber es ist „modern“ –etwa in Interviews- auf irgendwelche Höhlen(systeme) hinzuweisen, die sich unweit Sichtungsorten befinden sollen. Ich frage mich warum diese „Rückzugsgebiete“ vor ein paar Jahren noch nicht ausgemacht und thematisiert worden sind – oder ist Bigfoot plötzlich „umgezogen“, vom Wald in die Höhle? Wer etwas behauptet muss es zumindest mit Indizien belegen!

Die –meisten- Bigfooter sind in der Hinsicht übrigens nicht schlauer als die Ufologen / Exologen, die ja auch noch glauben dass in den fliegenden Untertassen graue Männchen sitzen, die Sperma und Eizellen zu Mutanten zusammenbasteln und sonst –wie betrunken- durch den Luftraum schaukeln und ständig abstürzen – natürlich fast nur in den USA, die Welt ist ja so klein…

• Indianer haben eine grundlegende Abneigung sich mit Fremden über Bigfoot zu unterhalten. In der Regel verweisen sie in diesem Falle auf die Stammesältesten oder spirituelle Führer. Offenbar bringt es „Unglück“ den Bipeden zu thematisieren. In dem Zusammenhang ist interessant dass vier Gesprächspartner von Paulides nach den Interviews verstorben sind.

Er begann seine Recherchen ungefähr 2002 und veröffentlichte das Buch mit den Todesanzeigen 2008. In nur sechs Jahren verstarben also vier Personen: Sergeant Joe Masten (Hopa Tribal Police) † Phil Smith (Bluff Creek Resort) † Tony Hacking (United States Forest Service) † Pliny McCovey (Hoopa Tribal Member).

• Der „Halloween-Effekt“ (paranormale Phänomene ereignen sich bevorzugt im Oktober - und in diesem zumeist verstärkt zum Ende des Monats hin) lässt sich auch bei den Hoopa-Bigfoots nachweisen. Die meisten Sichtungen werden dort im November gemeldet. Offenbar unterliegt Bigfoot den gleichen Zyklen wie Yowie in Australien oder die Ufonauten weltweit.

• Seit 1950 wurden in Nordamerika rund 2000 Bigfoot-Sichtungen gemeldet. Zumindest ist das die Zahl die der Autor ermitteln konnte. Bei Loren Coleman fand ich jedoch den Hinweis, dass sich jährlich 550 Begegnungen abspielen sollen. Coleman schätzt aufgrund dieser Zahl eine „Population“ von 1500 Bigfoots. (BIGFOOT - The True Story Of Apes In America / S. 5 + 11)

• Bigfoot scheint sehr merkwürdige Fähigkeiten / Talente zu haben. Wanderer die sich in „sein“ Territorium verliefen, hatten plötzlich Angstgefühle, meinten dass sie beobachtet werden oder vernahmen eine „innere Stimme“ die ihnen sagte, dass sie umkehren sollten. Ein Zeuge namens Jeff, der gerade ein solches “Tabugebiet“ betreten wollte, hat es interessant umschrieben. Dazu Paulides:

He said that a feeling came over him, like he was being watched. Jeff said that something inside told him that he shouldn’t be going in there.”

• Der Aufseher einer Campinganlage, der den Bipeden bereits mehrfach beobachtet hat, wies darauf hin, dass Bigfoot sowohl Infrarotlicht registriert als auch Nachtsichtgeräte “aufzuspüren” vermag. Zumindest lässt er sich nicht blicken wenn entsprechende „Fallen“ aufgestellt werden. (Von daher kann es wohl nicht verwundern dass man bei MonsterQuest nie etwas Handfestes aufnehmen konnte. Alleine schon die Gegenwart eines großen Teams, der massive Einsatz von Technik und alle möglichen „Köder“ wirken abschreckend.)

• Im Hoopa-Reservat orientiert sich Bigfoot an natürlichen und künstlichen Routen, meist spielten sich die Vorfälle an Flüssen ab.

• Ein weiterer Hotspot ist der Highway 96. Ich hatte ja schon in der Vergangenheit immer wieder darauf verwiesen, dass sich Kryptide und Ufonauten gerne an Straßen blicken lassen. Paulides untersuchte drei Sichtungsorte in einem Umkreis von 1700 Fuß und konnte diese mit einer geraden Linie verbinden. Auch die Verteilung der anderen Berichte wirkt, als habe sich ein „Linienzieher“ an der Landkarte versucht. Gehorcht Bigfoot etwa den Gesetzen der Orthoteny?

• Bigfoot scheint sich „Nester“ anzulegen, zumindest im Hoopa-Gebiet. Diese bestehen aus umgebogenen –nicht gebrochenen- Bäumen (Dicke bei 4-6 inches / Höhe 70 bis 90 Fuß) deren Kronen kreisförmig zusammengelegt und stellenweise „verflochten“ sind. Paulides fand solche „Anordnungen“ an zwei Sichtungsorten. Die so auf dem Boden liegenden Blätter und Äste sahen so aus als habe darauf jemand gelegen.

• Die Hoopa hatten (haben?) die merkwürdige Angewohnheit „unerwünschte“ Säuglinge im Wald abzulegen. Von daher ist nicht ganz klar welche „Einstellung“ der Biped zu Menschen hat. Im Hoopa-Gebiet fand sich zumindest ein Fall in dem ein Bigfoot versucht hat nach einem Kind zu greifen. Der –zwischenzeitlich erwachsene- Zeuge befand sich im Badezimmer, als ein langer, muskulöser, durchgehend behaarter Arm durchs Fenster herein griff und versuchte ihn zu fassen. Er schrie und sein Vater erschien, woraufhin der Arm wieder verschwand.

(David Paulides hat nach dem hier besprochenen Buch noch vier weitere geschrieben – die werde ich mir nach und nach vornehmen. Eines beschäftigt sich mit Bigfoot, drei andere mit mysteriösen Fällen bei denen Menschen in nordamerikanischen Nationalparks verschwunden sind. Er sieht Parallelen zwischen dem Verschwinden und Bigfootaktivität, zumindest geht das aus diversen Radiointerviews mit ihm hervor. 
Wer allerdings die Fälle kennt, kann dem Autor hier nicht folgen. Bigfoot wirft zwar gerne mit massiven Ästen und Steinen wenn er sich gestört fühlt, platziert diese jedoch immer so, dass die Zeugen nicht verletzt werden – ich kenne nicht einen belegten Fall in dem ein „offener“ Angriff durchgeführt wurde. Manchmal wirft er auch mit kleinen Kieseln um Eindringlinge zu ärgern. 
Viel eher scheint der Umstand, dass in den Parks alle möglichen Drogenpflanzen angebaut werden -kein Scherz!- ein möglicher Hinweis darauf zu sein, dass unvorsichtige Naturfreunde Kriminellen zum Opfer fallen.)

• Bigfoot kann Tempo machen, Zeugenberichten nach ist er mindestens so schnell wie ein Hirsch. Kampf- und Jagdhunde meiden ihn und ein eigentümliches Tarnverhalten ist beobachtet worden, er kann sich zusammenkauern und zur Salzsäule erstarren, so dass er aus der Ferne einem Felsen nicht unähnlich sieht bzw. aus der Landschaft nicht hervorsticht.

• Der Tribal Police Cop Joe O’Rourke hatte einen recht interessanten Einsatz. Ein Zeuge berichtete von Bigfoot und der Beamte suchte ein angrenzendes Waldstück ab. Dabei bemerkte er den eigentümlichen OZ-Effekt auf den ich bereits eingegangen bin. Er meinte sich in einem akustischen Vakuum zu befinden. Er konnte nur noch die stampfenden Schritte des Wesens um sich hören, sonst nichts mehr. Wobei der scheinbare Abstand zwischen ihm und seinem Kontrahenten immer der gleiche blieb.

• Den Indianern ist klar, dass Bigfoot kein Lebewesen ist. Dennoch wundern auch sie sich noch über seine Aktionen. Bei der Fahrt auf dem Highway 96 überquerten zwei Hoopa eine Brücke. Auf der stand Bigfoot, offensichtlich gestört schwang er sich über die Brüstung und verschwand, in den über 200 Fuß tiefen Abgrund. Die Zeugen holten anschließend Verstärkung und gemeinsam suchte man den Boden unter der Brücke nach der „Leiche“ ab, fand jedoch nichts.

• In vielen -nächtlichen- Fällen werden „glühende“ Augen beschrieben, wahlweise orange, gelb oder rot – Biolumineszenz?

• Zeuginnen die gerade ihre Regel haben beschreiben besonders oft den „Besucher“, dies gilt auch für andere Paranauten.

• Die These vom „Aquasquatch“ ist indizienbelegt. Nicht nur beschreiben Zeugen oft ein nasses „Fell“ und die räumliche Nähe zu Seen und Flüssen, auch die Überlieferungen der Amerindians weisen in die Richtung. Paulides zitiert aus dem Buch „Raincoast Sasquatch“ von J. Robert Alley. Dort wird beschrieben dass die Haida und Tlingit (Völker aus Alaska) Bigfoot als guten Schwimmer und Taucher [sic] kennen, der sich im Meer [sic] von Insel zu Insel bewegt.

• Bigfoot zeigt Anzeichen von Humor. Nicht nur dass er gerne Eindringlinge erschreckt, er macht offenbar auch Scherze. So berichtete ein Waldarbeiter namens Charles McCovey (wie die meisten Hoopa kurioserweise mit irischen bzw. schottischen Nachnamen) dass Bigfoot nur dann gegangen ist, wenn auch er sich bewegt hat. Sobald er still stand, tat dies auch der Besucher.

• Paulides fragt sich (etwas naiv wie ich finde) wie es den beobachteten Bigfoots gelingt spurlos zu verschwinden. Sie bewegen sich von den Zeugen nur wenige Schritte weg und scheinen sich in Luft aufzulösen. Die Hoopa vermuten dass sich der Biped wie im Film „Predator“ auf Bäume begibt (und dort unsichtbar wird?) und so außer Sicht gerät. Merkwürdig sind auch die Trittsiegel die aus dem „Nichts“ auftauchen und abrupt enden.

• Bis Seite 316 fand ich das Buch eigentlich gelungen. Dann jedoch erklärte Paulides die menschenähnliche Erscheinung der Hoopa-Bigfoots damit, dass sie sich mit Menschen vermischen und dazu Kinder „abgreifen“ würden („raised the kids and eventually bred with them“) was natürlich der größte Unsinn ist den ich je zum Bigfoot-Thema gelesen habe.

Bekanntlich kann sich der Mensch nicht einmal mit seinem nächsten „Verwandten“ -dem Schimpansen- mischen, wie soll dies bei einer Spezies gehen die genetisch noch weiter von uns entfernt ist?

• Resümee: Was der Autor kann ist ermitteln, Zeugen befragen usw., dies geht auch schon aus seinem ehemals praktizierten Beruf hervor. Allerdings macht er die gleichen Fehler wie viele „Bigfooter“ (also Bigfoot-Forscher):

Er ignoriert die Aussagen der Indigenen völlig, die eine viel längere Geschichte mit dem Großfuß aufweisen und aus denen hervorgeht, dass dieser eben kein Lebewesen ist und er ignoriert ebenso die Hinweise in den Zeugenberichten die mit der „Spezieshypothese“ nicht konform gehen.

Ich denke da etwa an Oz-Faktor, spontanes Verschwinden und Auftauchen- obwohl er sich selbst nicht erklären kann, wie es etwa möglich ist dass Fußspuren aus dem „Nichts“ erscheinen und im Nichts verschwinden. Die Fälle sind interessant, die Hypothesenbildung eher was für die Tonne…

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