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Samstag, 26. September 2015

Die Invasion der "Ghost Rockets" über Skandinavien im Jahr 1946


© Dipl.-Ing Adolf Schneider |  www.jupiter.verlag.ch | Quelle: MUFON-CES Band 1978, mit freundlicher Genehmigung!

Bereits ein Jahr vor der historischen Sichtung des US-Piloten Kenneth Arnold am 24.6.1947 tauchten über Norwegen, Schweden und Finnland unbekannte Flugobjekte auf. Ihr Aussehen erinnerte teilweise an dasjenige der deutschen V1- und V2-Raketen, die gegen Ende des Krieges als letzte "Wunderwaffen. Eingesetzt worden waren.

1946 liefen Hunderte von Pressenotizen zum Thema "Geisterraketen" über die Fernschreiber der Associated Press, der United Press, der Agentur Reuter und der New York Times. Erst in den vergangenen Jahren kamen Dokumente ans Tageslicht, die früher von schwedischen und britischen Militärdienststellen geheimgehalten wurden.

Gemessen an der Zahl der Beobachtungen muss die skandinavische "UFO-Welle" durchaus als beachtenswert erscheinen und rangiert an zweiter Stelle hinter der großen UFO-Welle des Jahres 1952 in den Vereinigten Staaten. Im Zeitraum von Ende Mai bis Anfang Dezember 1946 sind allein der schwedischen Regierung 987 Berichte über UFOs zugeleitet worden.

Die US-Luftwaffe dagegen erhielt im folgenden Jahr 1947 lediglich 122 UFO-Meldungen. Erst eine gründliche Studie von Zeitungsberichten aus 93 Städten, wie sie der amerikanische UFO-Forscher Ted Bloecher durchgeführt hat, lieferte für das Jahr 1947 immerhin 850 Berichte.

Schwedische Verteidigungs-Dienststellen nahmen die Beobachtungen aus dem skandinavischen Raum durchaus ernst und hielten die allerorts gesichteten zylinderförmigen Objekte zunächst für russische Testraketen.

In einem Brief an das schwedische Oberkommando, der vom Leiter einer Spezialorganisation zur Untersuchung der "Ghost Rocket"-Berichte verfasst worden war, heisst es u.a.:

"Aufgrund der zahlreichen Meldungen, die uns direkt von Zivilbeobachtern oder über die Massenmedien erreichten, sandte unser Büro am 12. Juni 1946 einen Aufruf an alle   Militäreinheiten sowie an die Militärattaches in Norwegen und Dänemark. In dem schreiben wurden die Kommandeure aufgefordert, alle Sichtungen und Daten festzuhalten und an uns weiterzuleiten.

Bis zum 8. Juli 1946 gab es etwa 30 Meldungen, während tags darauf fast 250 Berichte   hereinströmten. In der Juli-September-Periode dauerten die Sichtungen an und hatten am 11. August ein vorläufiges Maximum an Meldungen erreicht. Im Zeitraum von Oktober bis   November flaute die Welle der Berichte über 'Geisterraketen' merklich ab. Die Gesamtzahl der uns bis 6.12.1946 zugegangenen Berichte beläuft sich genau auf 987."

Das auf Initiative der schwedischen Luftfahrtbehörde und des Verteidigungsministeriums gebildete Forschungs-Komitee setzte sich aus Fachleuten der Luftwaffe, der Zivilluftfahrt, des Marine-Forschungsamtes und der Radarabwehr zusammen.

Oberst Bengt Jacobsson und sein Sekretär, Ingenieur Kalmborg, leiteten das Experten-Team, das am 1. Juli 1946 seine Arbeit aufnahm. Major Carwall übernahm zeitweise die Funktion des Chairman, als Jacobsson nach Amerika verreist war. Bis zum 1. Dezember hatte das Komitee insgesamt 15 Sitzungen abgehalten.

Damals wurden auch ausführliche Dokumente erstellt, so zum Beispiel über die geographische Verteilung der Beobachtungen, die Zuverlässigkeit der einzelnen Zeugen und die Radarmessungen. Anfragen des US-Journalisten Don Berliner bei der schwedischen Luftwaffe ergaben, dass diese Dokumente heute noch als "Geheim" betrachtet und daher nicht freigegeben werden.

Die ersten bedeutsamen Himmelsphänomene aus dem skandinavischen Raum meldete Radio Helsinki. Am 26. Februar 1946 sollen über den nördlichen Distrikten des Landes ungewöhnlich viele Meteore gesehen worden sein. Einige Zeit später, am 24. Mai, kamen auch aus den nördlichen Gebieten Schwedens Meldungen über eine erhöhte Meteor-Aktivität.

Am Sonntag, den 9. Juni, verfolgten viele Leute ein raketenartiges Geschoss über Helsinki, das ein helles Licht ausstrahlte und eine Rauchfahne hinter sich herzog. In der Ferne war ein tiefes Grollen zu hören, als das Objekt in einer Höhe von etwa 300 Metern in Richtung Südwesten verschwand. Zehn Minuten lang war noch das Nachglühen der Flugspur am nächtlichen Himmel zu sehen.

Bevor sich die Finnen von dem nächtlichen Spektakel erholt hatten tauchte über Tammersfors in West-Finnland am darauffolgenden Montag eine weitere "V2-ähnliche" Rakete auf. Sie erschien in der gleichen Nacht noch einmal über Helsinki mit Kurs in Richtung Südosten.

Ein Korrespondent der Londoner "Daily Mail" schrieb, dass dieses Geschoss ein unidentifizierter leuchtender Körper war, der von einer hell leuchtenden Wolke umgeben war. Das Objekt wäre von der Baltischen See hergekommen, hätte eine Kurve gezogen und wäre wieder zurückgeflogen.

Zwischen dem 9. und dem 11. Juli sind weitere sechs Beobachtungen dieser Art gemeldet worden. Die nationale Presse bezeichnete die gesichteten Flugkörper teils als Raketen, teils als Meteore. Eine bedeutende schwedische Tageszeitung hatte am 10. Juli festgestellt, dass in den vorangegangenen 24 Stunden über ganz Schweden kugelförmige, blaugrün leuchtende Objekte mit gleichfarbiger Rückstossflamme aufgetaucht waren.

Nachdem diese Gebilde mit hoher Geschwindigkeit den Himmel überquert hatten, glaubte man zunächst, es wären Testraketen russischen Ursprungs. Dieser Ansicht schloss sich die Zeitung "Aftonbladet" an, die zugleich bestätigte, dass bereits im Mai an die 10 Berichte sowohl aus Schweden als auch aus Finnland bekanntgeworden waren.

Wissenschaftler betonten gegenüber Reportern nachdrücklich, dass es sich aufgrund der hohen Zahl an Beobachtungen und des Flugverhaltens der Objekte eigentlich nicht um Meteore gehandelt haben könne, wie zuweilen berichtet worden war. Eine russische Herkunft der künstlichen Flugkörper wäre nicht auszuschließen, zumal die "Raketen" aus südöstlicher Richtung auftauchten und dorthin wieder verschwanden.

Die englische Zeitung "Manchester Guardian" brachte einen Bericht, der zum ersten Mal auf Spuren einer abgestürzten Rakete hinwies. Das Objekt soll einige hundert Meilen an der schwedischen Ostküste entlang geflogen und von verschiedenen Orten, auch von Vorstädten Stockholms aus, beobachtet worden sein.

In der Nähe von Sundsvall stürzte es schließlich herunter und hinterließ im Küstensand einen 25 cm tiefen und etwa 90 cm breiten Krater. Badegäste sammelten rund sieben Pfund der schlackenartigen Überreste. Ein solches Fragment schien Teil eines rund 2,5 cm dicken Zylinders gewesen zu sein. Ein Militärlabor wurde mit der Analyse beauftragt.

Von dort war auch zu erfahren, dass unter den Überresten sogar ein Filmstück gefunden wurde, das in Quadrate aufgeteilt zu sein schien. Es ist jedoch anzunehmen, dass nicht alle der von den Badegästen aufgesammelten Teile tatsächlich von der mysteriösen Rakete stammten.

Die norwegische Zeitung "Aftenposten" brachte in ihrer Ausgabe vom 20. Juli einen Bericht über eine Familie, die am Ufer des Mijosa-Sees lebt. Einen Tag zuvor hörten die Mitglieder dieser Familie ein außergewöhnliches Geräusch, das von zwei raketenartigen Flugkörpern kam.

Die Objekte hatten eine derart hohe Geschwindigkeit und flogen so tief über ihre Köpfe, dass sie sich instinktiv zu Boden warfen. Die erschreckten Leute konnten sogar beobachten, wie die Baumwipfel von der starken Druckwelle hin- und hergerissen wurden.

Sigvat Skaug und sein Sohn, die im Hof standen, waren etwa 50 Meter von dem Geschehen entfernt. Von ihrem Standort aus wirkten die Objekte wie ehemalige V-1-Waffen, die sie schon auf Bildern gesehen hatten. Die Länge der Objekte schätzten sie auf zwei Meter.

In der Mitte der Nasenspitze ragten Flügel heraus, die vielleicht einen Meter lang waren und im Fluge heftig flatterten. Eine Raketenflamme wurde nicht beobachtet. Beide Objekte flogen einen parallelen, parabolischen Kurs, wobei das eine leicht zurücklag. Einige Sekunden nachdem sie vorbeigeflogen waren, tauchten beide "Raketen" gleichzeitig in den Mijosa-See, der durch ihren Absturz bis zu einem Meter hoch aufgewirbelt wurde.

Die Flugbahnen der seltsamen "Geisterraketen" waren weder mit Meteorniedergängen zu vergleichen, noch mit den ballistischen Kurven der weitreichender V-2. Die Objekte schienen eher ferngesteuerte Projektile zu sein, die in geringer Höhe zu fliegen vermochten - ähnlich den heute entwickelten "Cruise Missiles".

Am 27. Juli beschlossen die schwedischen Generäle, der Presse keine weiteren Sichtungsorte mehr bekanntzugeben. In weniger als einem Monat hatten sie 500 Meldungen erhalten. Der Korrespondent des Londoner "Daily Telegraph" kabelte an sein Büro die Nachricht, dass seit dem 29. Juli auch die Norweger mit der Nachrichten-Zensur begonnen hätten.

Dennoch gelangten immer wieder direkte Berichte an die Presse - ein Beweis dafür, dass die Zeit dieser Phänomene noch lange nicht vorbei war. So meldeten die Stockholmer Zeitungen, dass silberne Projektile im nördlichen Teil ihres Landes gesichtet wurden.

Die Flugkörper, welche von mindestens acht Zeugen gesehen wurden, flogen dicht über den Baumwipfeln. In der "Dagens Nyeter" vom 2.8. stand ein Bericht über weitere zwei solcher Flugkörper, die aus dem Landesinnern gekommen und in außergewöhnlich niedriger Höhe in Richtung Küste geflogen sein sollen.

Als sie das Baltische Meer erreicht hatten, explodierten sie in einem grellen gelb-weißen Blitz. Auch über Dänemark wurden solche "Geisterraketen" gesehen, wie Zeitungen am 3. August berichteten.

Die "Chicago Daily Tribune" publizierte am 4.8.46 eine Meldung, nach der britische und amerikanische Geheimdienststellen zu der Ansicht gekommen waren, dass die Russen das Raketenabschussgelände in Peenemünde wieder in Betrieb genommen hätten. Diese Vermutung stand allerdings in krassem Widerspruch zu der offiziellen Behauptung der Sowjets, diese Testbasis läge immer noch in Trümmern.

Genauere Überprüfungen der Flugeigenschaften der ehemaligen deutschen V-1 und V-2-Waffen zeigten im übrigen, dass es sich bei den über Skandinavien gesichteten "Geisterraketen" kaum um Weiterentwicklungen durch russische Techniker gehandelt haben dürfte.

Die V-1 hatte eine Länge von 8,2 m, eine Flügelspannweite von 5,3 m und einen Durchmesser von 90 cm. Ihre maximale Geschwindigkeit lag bei 640 km/h und ihre Reichweite bei 700 km. Die V-2 dagegen hatte eine Länge von 14 m, einen Durchmesser von 1,7 m und an den Stabilisierungsflügeln eine Breite von 3,6 m. Die maximale Steighöhe betrug 80 km bei einer Reichweite von 320 km. Die Auftreffgeschwindigkeit nach einer Flugzeit von knapp 5 Minuten lag bei 2900 km/h.

Die meisten "Geisterraketen" flogen völlig lautlos oder verursachten nur geringe Geräusche. Die V-1 dagegen verbreitete einen Höllenlärm, solange die Triebwerke eingeschaltet waren und stieß nach Brennschluss sofort in steilem Winkel zu Boden.

Die Brennkammern der V-2 arbeiteten nur eine Minute während des Steigfluges, wobei die Rakete auf der Gipfelhöhe von 80 km nicht zu sehen gewesen war. Beim Absturz zur Erde erreichte sie Überschallgeschwindigkeit, so dass nur wenige Beobachter aus großer Entfernung die ballistische Flugkurve dieser Raketenwaffe hätten verfolgen können.

Die historischen Quellen liefern keinerlei Hinweise, dass russische Techniker in den Jahren 1945 und 1946 nach der Einnahme des Versuchsgeländes von Peenemünde irgendwelche Probeläufe oder Testflüge mit weiterentwickelten V-Waffen durchgeführt hatten.

Im Oktober 1946 wurden die gesamten Fabrikanlagen einschließlich der verbliebenen deutschen Techniker - die meisten "Top-Experten" hatten sich rechtzeitig vor Kriegsschluss zu den Amerikanern abgesetzt - in russische Gebiete abtransportiert. Von dort starteten die V-2-Raketen erst wieder im Oktober 1947.

Im Übrigen hätten auch die Reichweiten der V-Waffen nicht ausgereicht, um die schwedischen oder norwegischen Gebiete zu beschießen. Stockholm liegt immerhin >600 Kilometer von Peenemünde entfernt, ganz zu schweigen von den noch viel weiter entfernten nördlicheren Gebieten.

Dennoch bestand die Tatsache, dass die "Geisterraketen" stets aus südlicher bis östlicher Richtung herangeflogen kamen. Sie flogen jedoch in niedriger Höhe und konnten auch Kurven einschlagen. Der schwedische Verteidigungsminister gab am 6. August 1946 in einem Kommunique bekannt, dass eines der Objekte in den Overkalix-See gestürzt war und dass der Luftwaffe allein in den Tagen zwischen dem 9. und 12. Juli dreihundert Sichtungen gemeldet wurden.

Unter den Beobachtern waren zum Teil auch Wissenschaftler, deren Aussagen sehr ernst genommen wurden. So erwähnte die "New York Times" vom 11.8.1946 den Bericht eines Astronomen und Meteorologen. Der Wissenschaftler schrieb u.a.:

"Ich untersuchte einige Wolkenstrukturen am Himmel, als plötzlich ein leuchtender Punkt am Horizont auftauchte. Zunächst dachte ich an ein Flugzeug, was aber wegen der enormen Geschwindigkeit nicht stimmen konnte. Der Flugkörper hatte eine Länge von mindestens 30 Metern, sah torpedoförmig aus und glänzte metallisch.

Obwohl er nicht weiter als zwei Kilometer entfernt schien, war keinerlei Geräusch zu hören. Plötzlich explodierte der Apparat, wobei ein derart heller Lichtblitz hervor schoss, dass ich momentan total geblendet   war. Danach war nirgendwo ein Feuer oder eine Rauchsäule zu sehen."

Ein Offizier der schwedischen Armee beobachtete in der Nacht des 11. August 1946 ein zigarrenförmiges Objekt, das sehr schnell in geringer Höhe über den Himmel zog. Der Apparat schien etwa 20 Meter lang zu sein, hatte eine weiße Seitenfront und eine grüne Spitze.

Ein Aufklärungsflugzeug der schwedischen Luftwaffe soll sogar am 13.8.1946 von einer "Geister-Rakete" gestreift worden sein, worauf die Maschine mitsamt der 3-Mann-Besatzung abgestürzt sein soll. In dem kurzen Militärbericht heißt es u.a., dass die Crew noch über Funk die Annäherung des Flugkörpers gemeldet hätte. Doch wenig später war der Kontakt unterbrochen, und Sekunden darauf hörte man eine starke Explosion aus dem fraglichen Gebiet.

Aufgrund der wachsenden Verunsicherung von Militär und Bevölkerung entschloss sich der schwedische Ministerpräsident, eine öffentliche Protestnote bekanntzugeben. Darin wurde eine unbekannte ausländische Macht der ständigen Hoheitsverletzung des schwedischen Luftraumes angeklagt.

Dean Acheson, Unterstaatssekretär in Washington, zeigte sich persönlich sehr interessiert an dem Phänomen der "Geister-Raketen". Wie die "New York Times" vom 14.8.46 berichtete, hatte die schwedische Regierung jedoch keine amerikanische Unterstützung bei der Aufklärung der Erscheinungen angefordert.

Die Berichte nahmen indes weiter zu. So wurde am 16.8.1946 ein mysteriöser Flugkörper über Malmö in Schweden beobachtet, durch dessen Luftdruckwelle eine größere Zahl von Fensterscheiben zerbarst. Ein Untersuchungsteam versuchte, die kleinen Fragmente aufzulesen, die von dort explodierten Rakete niedergefallen waren.

Am selben Tag erlebten die Einwohner der finnischen Industriestadt Tampere eine ähnliche Explosion. Am Himmel war eine dunkelgraue Rauchsäule zu sehen gewesen, aus der momentan eine arm-ähnliche Struktur zum Vorschein gekommen war.

Im Rahmen eines Presseinterviews wurde auch der bekannte schwedische Wissenschaftler Dr. Ragnar Woxen zum Phänomen dieser "Geister-Raketen" befragt. Er bestätigte, dass einige solcher Objekte in schwedische Seen gefallen wären.

Am 21. August 1946 trafen die US-Generäle Doolittle und Sarnoff in Schweden ein, um die Fragen der "Ghost Rockets" mit den schwedischen Fachleuten und Politikern zu erörtern. Hierbei wurde bekannt, dass diese Objekte in vielen Fällen auch auf dem Radarschirm zu sehen gewesen waren.

Auf dieser Tagung kamen auch neue Messverfahren zur Diskussion, wie die "New York Times" vom 22.8.46 berichtete. Ob und wann diese Methoden eingesetzt werden sollten, war nicht zu erfahren.

Ein Korrespondent des "Christian Science Monitor" schrieb am 22.August 1946, dass inzwischen nicht nur die Sichtungsorte, sondern auch die Berichte selbst einer strengen Geheimhaltung unterlägen. Einen Tag später gab das britische Außenministerium zu, dass sich englische Radarexperten in Schweden aufgehalten hätten mit dem Auftrag, die "Geister-Raketen" zu untersuchen.

Sie wären inzwischen zurückbeordert worden, um Informationen über den Ursprung der Objekte zu liefern. Die Berichte wären jedoch geheim und könnten nicht veröffentlicht werden. Dass die "Raketen-Invasion" keineswegs auf Skandinavien beschränkt war, zeigen die Berichte aus anderen Teilen Europas:

Ende Juli/Anfang August desselben Jahres will der griechische Künstler Amphistion Moslionos aus Athen über Pountes auf der Insel Samos einen seltsamen Flugkörper beobachtet haben. Etwa gegen 9 Uhr abends wurde er durch einen birnen- oder tropfenförmigen Apparat aufgeschreckt, der sehr langsam über den Himmel zog.

Das Objekt leuchtete in einer hellen orangen Farbe und verursachte ein Geräusch wie Wind, der durch die Bäume rauscht. Die Flugbahn verlief von Nordosten nach Südwesten, und die gesamte Beobachtungszeit betrug rund 15 Minuten (Karajas 1979).

Die "New York Times" meldete, dass in der Nacht vom 1. zum 2. September 1946 auch über Griechenland unbekannte Raketen gesichtet worden waren. Der amtierende griechische Außenminister erzählte bei einem Besuch in London, dass er diese Informationen von seinem Premier Konstantin Tsaldaris habe und bereits Untersuchungen im Gange wären.

Griechische Divisions-Kommandeure und britische Offiziere hätten östlich bzw. westlich von Saloniki merkwürdige Raketen beobachtet, die von Norden nach Süden gezogen waren. In der gleichen Nacht waren ähnliche Berichte aus der 130 km nordöstlich von Saloniki gelegenen Ortschaft Drama nahe der bulgarischen Grenze eingetroffen. Die Flughöhen wurden auf 15.000 bis 30.000 Fuß geschätzt.

Am folgenden Tag brachten die "New York Times" und der "Manchester Guardian" Meldungen, die weniger mysteriös klangen. Die britische Botschaft hatte abgestritten, dass Offiziere ihrer Truppen bei Saloniki außergewöhnliche Beobachtungen gemacht hätten. Zwar hätte der britische Konsul in Saloniki in der fraglichen Nacht ein merkwürdiges Licht am Himmel beobachtet, das aber wegen der Nähe zum Boden auch ein Feuerwerk hätte gewesen sein können.

Ein Reporter der "Chicago Tribune" wollte dagegen Genaueres erfahren haben. Es sollten insgesamt vier Raketen gewesen sein, die Griechenland überflogen hatten. Eine Rakete wäre über Saloniki in 5000 Fuß Höhe geflogen und ins Meer gefallen. Die anderen waren über den Bergen Belles und Pailken, in Mazedonien in der Nähe der griechisch-jugoslawischen und bulgarischen Grenze, und über der Stadt Katharini in der Nähe von Larissa gesehen worden.

Hell leuchtende Projektile tauchten in den folgenden Septembertagen auch über Srinagar / Kashmir, Nancy / Frankreich, Alemtejo und Castanheira in Portugal sowie über Tanger und Fez Para in Nordafrika auf.

Am 8. September 1946 publizierte der "Daily Telegraph" ein erstes Foto eines herabstürzenden Flugobjektes. Der Amateurfotograf Erik Reuterswärd hatte den Schnappschuss auf einer Insel in der Nähe Stockholms gemacht und den entwickelten Filmstreifen an den schwedischen Generalstab geschickt, der das Negativ an den Londoner "Daily Telegraph" weitergab.

Superempfindliche Entwicklungsverfahren, die von den Schweden und anderen alliierten Experten eingesetzt wurden, ergaben die überraschende Tatsache, dass sich in der Mitte der länglichen kometenartigen Plasmazone ein Projektil befand. Das war insofern erstaunlich, als sich bei üblichen Raketen oder herabstürzenden Meteoren eine eventuelle Plasmaschleppe stets hinter dem Flugkörper aufbaut (sog. Re-Entry-Phänomen).

Die leuchtenden Gase, die sich vor dem Flugkörper befanden, deuten auf die Einwirkung eines starken Feldes hin, das zugleich einen laminaren und relativ geräuschlosen Flug zu ermöglichen schien. Bereits Wochen zuvor hatten Wissenschaftler im "Daily Telegraph" die Ansicht vertreten, dass die "Geister-Raketen" ein neuartiges Antriebsprinzip ausnutzten.

Dr. Manne Siegbahn, ein damals 59 Jahre alter schwedischer Kernphysiker, meinte dagegen am 17. September 1946 in der "New York Times", dass es noch keine klaren Indizien dafür gebe, dass tatsächlich künstliche Flugkörper über Schweden aufgetaucht waren.

Er wäre selbst einem solchen Bericht nachgegangen und hätte schließlich nur Hinweise auf einen Meteorniedergang gefunden. Seiner Ansicht nach wäre bei den Presseberichten auch viel "Hysterie" mit im Spiele gewesen.

Am 22. bis 24, September 1946 tauchten die "Raketen", "Meteore" oder sonstigen Objekte "hysterischer Einbildung" auch über zahlreichen Städten Italiens auf. Aus Rom, Turin, Bologna, Vercolli, Modena, Imola, Florenz, Neapel und Bari kamen gleichlautende Meldungen. Eine solche Rakete, die über Florenz beobachtet worden war, sollte sogar eindeutig ihre Flugrichtung gewechselt haben. Aufgrund der Massenbeobachtungen ordnete die italienische Regierung eine sofortige Untersuchung an.

Mehrere hundert Zeugen sollen am 26. September 1946 über der zentralfinnischen Stadt Jyvaskla eine "Geister-Rakete" auf ihrem Flug von Südost nach Nordwest beobachtet haben. Ihre Flughöhe wurde auf 15 Meilen geschätzt. Auffallend waren die langsame Geschwindigkeit des Projektils sowie die verschiedenfarbigen FIammen, die jeweils in der Folge mehrfacher Explosionen ausgestoßen wurden.

Zunächst sah man nur ein mattes Rot, das nach einer Reihe weiterer Explosionen zu einem glühenden Orange wechselte, um schließlich beim Absturz des Projektils in ein gleißend-weißes blitzartiges Licht überzugehen.

Nach jeder kleinen Explosion schien die Geschwindigkeit des Apparates ruckartig anzuwachsen, bis endlich die Rakete in einer letzten Explosion zerrissen wurde. Trümmer von schätzungsweise 10 bis 15 Tonnen Gesamtgewicht wurden in alle Richtungen geschleudert.

Im Hinblick auf derartige Augenzeugenberichte meinte der Journalist Marquis Childs, dass die "Ghost Rockets" wohl das bedeutendste ungelöste Rätsel des Nachkriegs-Europas wären, zumal die Berichte teilweise aus ganz verschiedenen Ländern kämen.

Am 3. Oktober 1946 beschuldigten die Russen in ihrem Magazin "New Times" die westlichen Presseorgane, ungerechtfertigte Gerüchte über Raketenversuche im besetzten Ostdeutschland zu verbreiten. Der Reuter-Nachrichtendienst hatte am 22. August versichert, dass die Russen eifrig an der Weiterentwicklung der deutschen V-2 arbeiteten und ein noch größeres Modell, die V-4, in Arbeit hätten.

Dass die westlichen Geheimdienste und Presse-Berichterstatter genug Grund zur Beunruhigung fanden, war verständlich. Immerhin hatten es die Sowjets strikt abgelehnt, den Alliierten freien Zutritt zur russisch besetzten Zone zu erlauben. Tatsächlich jedoch schienen die Russen über die Meldungen von "Geister-Raketen"-Sichtungen genauso überrascht zu sein wie die Westeuropäer.

Ossian Goulding, Journalist des Londoner "Daily Telegraph", erfuhr von einem Mitglied der schwedischen kommunistischen Partei, dass er selbst und seine Gefolgsleute aus Russland die Anweisung erhalten hatten, über die offiziellen Parteikanäle alle Details über die "Ghost Rocket"-Berichte zu sammeln.

Genaue Zeugenberichte, persönliche Beobachtungen, Angaben über Zeit, Richtung, Höhe, Geschwindigkeit und ganz besonders irgendwelche Hinweise auf Abstürze oder Landungen wären unverzüglich weiterzuleiten gewesen.

Am 10. Oktober 1946 brachte das schwedische Verteidigungsministerium nach einer längeren Pause eine offizielle Verlautbarung heraus, die u.a. von der Londoner "Times" verbreitet wurde. Der Text lautete:

"Stockholm, 10. Oktober. Das schwedische Verteidigungsministerium hat einen Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass die Mehrzahl der raketenartigen Objekte, die vom 1.Mai bis 30.September über Schweden gesehen worden waren, nichts weiter als normale Himmelsphänomene gewesen wären.

Zu dieser Schlussfolgerung war ein Team von Wissenschaftlern gelangt, das an die tausend Beobachtungen überprüft und die Flugrouten der Objekte ausgewertet hatte. Einige der berichteten Apparate sind zwar nicht identifiziert worden, doch ließ sich kein Hinweis dafür finden, dass es sich hier um neuartige V-Bomben oder andere Arten von Raketenprojektilen gehandelt haben könne."

Die meisten Augenzeugenberichte erwiesen sich als recht ungenau und vage und konnten daher nur mit großer Skepsis bewertet werden. In einigen Fällen waren jedoch unzweifelhaft Beobachtungen zu verzeichnen, die weder als ein natürliches Phänomen, noch als schwedische Flugzeuge oder gar als bloße Einbildung seitens der Zeugen einzuordnen gewesen wären.

Echo- und Radarmessungen vermochten keine eindeutigen Aufschlüsse über Art und Herkunft der Objekte zu liefern. Fragmente, die vereinzelt gefunden worden waren und von den Flugmaschinen heruntergefallen sein sollten, hatten sich als normale Schlacke oder Koks erwiesen.

Bis zum Frühjahr 1947 sind keine diesbezüglichen Berichte mehr in Europa aufgetaucht. Am 22.3.1947 brachte die "New York Times" erstmals wieder eine Meldung unter der Schlagzeile: "Rückkehr der Phantombomben über schwedischem Himmel": Ein 20 Meter langes, silbernes Torpedo soll über Südschweden gesichtet worden sein.

Es zog einen Kondens- oder Rauchstreifen hinter sich her der noch lange sichtbar blieb. So war auch klar zu erkennen, wie der Flugkörper nach einem längeren Geradeausflug plötzlich um 180 Grad wendete und in der ursprünglichen Richtung zurückflog.

Im Juni 1947 berichteten die Zeitungen über rund 50 Beobachtungen silberner kugelförmiger Objekte, die am Himmel über Ungarn erschienen sein sollten. Diese Gebilde erinnerten an die Berichte über "Foo-Fighters" oder "Kraut-Bälle", die von deutschen und alliierten Piloten während des Zweiten Weltkrieges gesehen worden waren.

Auch heute noch bleibt die Frage ungelöst, ob es sich bei all diesen Beobachtungen letztendlich um ein gemeinsames Phänomen handelt, das sich [bezogen auf die Luftschiff-Welle des 19. Jahrhunderts] zu gewissen Zeiten als "Luftschiff" manifestiert - wenige Jahre vor dem Bau der ersten echten Luftschiffe – oder als "Geister-Flugzeug" - kurze Zeit vor dem Flug der ersten Großflugzeuge, - oder als "Foo-Fighter" und "Ghost Rocket" - Jahrzehnte vor dem Bau der ferngelenkten, automatisch gesteuerten "Cruise Missiles".

Könnte es sein, dass die seit 1947 gesichteten untertassenförmigen Apparate bildhafte Vorboten einer Technologie sind, die erst unsere kommenden Generationen in wenigen Jahrzehnten beherrschen werden? Auf welche Weise jedoch künftige Entwicklungen in die unmittelbare Vergangenheit zurückprojiziert werden sollten, bleibt eine ungelöste Frage (Gross 1974, Clark/Farish 1974, Berliner 1976).

Literatur

Berliner, D., 1976: The Ghost Rockets of Sweden. Official Ufo, October, p.30-31, 60-64 • Clark/Farish 1974: "The Ghost Rockets of 1946". Saga's Ufo Report, Fall, p.24-27, 62-64 • Gross, L.E., 1974: The Mistery of the Ghost Rockets. Fremont, Cal. • Karajas, Q., 1979: Greek Ufo Miscellany, Flying Saucer Review, Vol.24, nr.6, iii

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