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Montag, 19. Oktober 2015

John B. Alexander • UFOs - Mythen, Verschwörungen und Fakten

Eine kuriose Eigenheit des UFO-Phänomens ist der Umstand, dass die führende Riege der Ufologen / „Erforscher“ dem militärisch-industriellen Komplex angehört, was bei anderen „Paraphänomenen“ so nicht der Fall ist. 

Diese Gruppe fällt dadurch auf, dass sie vehement recht phantastische Erklärungsansätze vertritt (UFOs sind außerirdische Besucher, Zeitreisende etc.) und mögliche irdische Ursachen (etwa unkonventionelles militärisches Gerät, Antigravitationsantriebe usw.) völlig negiert und dementiert. 

Alexanders Hintergrund 

Ein klassischer Vertreter dieser Gruppe ist John B. Alexander, der innerhalb der amerikanischen Ufologie als „Agent Provocateur“ verschrien ist, was wahrscheinlich mit seinem Lebenslauf zusammenhängt, denn er war in jenen Zirkeln aktiv die am meisten mit der Geheimhaltung / Desinformation zum UFO-Phänomen zu schaffen hatten / haben:
Dr. John B. Alexander, ein Kriegsveteran der Green Berets, schied im Rang eines Colonel aus dem Dienst der U.S. Army. Zudem war er Projektleiter am Los Alamos National Laboratory, partizipierte an Studien über nicht-tödliche Waffen der NATO, des National Research Council und des Council of Foreign Relations und war Berater des National Intelligence Council, der CIA, des US Special Operations Command und des Army Science Board.“
Nun erschien sein Buch zum UFO-Phänomen „UFOs: myths, conspiracies, and realities“ in deutscher Übersetzung. Was auffällt ist, dass die ersten Seiten mit Lobesgesängen von Rezensenten und Freunden angefüllt sind. 

Der eigentliche Inhalt beginnt erst ab Seite 29 mit dem Einstein-Zitat „Fantasie ist wichtiger als Wissen“, was recht zutreffend für den Inhalt des Buches ist. 

Alexander schildert seine Verstrickung in den militärisch-industriellen Komplex und er weist dezidiert darauf hin, dass er immer noch Geheimnisträger ist und der Geheimhaltung unterliegt, er ist also effektiv nicht außer Dienst und präsentiert uns also die Sichtweise die sein ehemaliger Arbeitgeber –das US-Militär- rechtlich zulässt, dies darf der Leser beim Studium des Inhaltes nicht vergessen! 

Alexander gründete während seiner Militärzeit das „Advanced Theoretical Physics Project“, ein geheimes „Think Tank“ welches sich mit dem UFO-Phänomen beschäftigte. Zu den Teilnehmern gehörten Angehörige der Army, der Navy, der Air Force, Mitarbeiter aus der Rüstungsindustrie (etwa Lockheed Skunk Works) und selbstverständlich Agenten diverser Geheimdienste und andere Personen ähnlicher „Qualität“. 

Daneben war er im Intelligence and Security Command (INSCOM) für die „Voodoo-Krieger“ des Pentagon zuständig, also für Remote Viewing und andere paranormale „Kriegstechniken“. Zwar wird Alexander als Autor des Buches genannt, jedoch stellt sich mir die Frage wie weit „andere“ Quellen „mitgeschrieben“ haben. Auf Seite 14 erklärt er:
Am 20. Juli 2010 starb unerwartet Dr. Dean Judd, und so kann ich nun seine Mitarbeit öffentlich bekannt geben. Viele Jahre lang war er einer meiner engsten Vertrauten; seine Mithilfe ist an vielen Stellen in diesem Buch unverkennbar. Dean diente der Nation als leitender Wissenschaftler der Strategic Defense Initiative (SDI, Star Wars), als wissenschaftlicher Geheimdienstoffizier, als wissenschaftlicher Beirat im U.S. Air Force Science Advisory Board und als Forschungsbeauftragter am Los Alamos National Laboratory“.
Ich denke, noch deutlicher kann man seine Loyalitäten und seinen Hintergrund nicht herauskehren. Was Alexander abliefert ist, was wir –von „höherer Stelle aus“ gewünscht- über das UFO-Phänomen glauben und „wissen“ sollen. 

Man fragt sich ob Alexander so naiv ist, oder ob er seine Leser für so dumm hält, dass sie den „Braten“ nicht riechen. Es ist meiner Meinung nach wichtig festzustellen mit wem wir es hier zu tun haben, anders lassen sich seine Statements / Positionen zum UFO-Phänomen nicht verstehen! 

Geheimhaltung 

Wirklich albern wird es, wenn der Autor versucht uns zu verkaufen, dass es in den USA nach dem Condon-Report keine staatliche UFO-Forschung mehr gegeben hat. Hunderttausende freigegebene FOIA-Unterlagen von CIA / NSA / FBI usw. belegen das Gegenteil. 

Die Nachrichtendienste sammeln UFO-Informationen und werten sie aus, dass ist auch ihre Aufgabe, da sich hinter den Objekten feindliche Kräfte verbergen können, welcher Art auch immer. 

Ähnlich verhält es sich beim Militär. Jeder „UFO-Einflug“ stellt effektiv eine Luftraumverletzung dar – die Eindringlinge weisen sich ja nicht aus, haben keinen Transponder usw. und in Anbetracht der Fälle bei denen UFOs Militäreinrichtungen bzw. ICBM-Anlagen heimgesucht haben, kann man der „Gegenseite“ zumindest eine Form von „Spionage“ unterstellen. Noch bizarrer ist Alexanders Statement zu NORAD (Nordamerikanische Luftraumüberwachung). Er schreibt:
„…wenn das sich nähernde Objekt einer Bahn folgte, die keine direkte Bedrohung bedeutete, fiel es durchs Raster. Es wäre nicht nötig gewesen, einen ranghöheren Aufsichtskommandanten damit zu behelligen“.
Auch hier dürfte das genaue Gegenteil der Fall sein da auch feindliche Aufklärung eine Form der Bedrohung darstellen kann und verfolgt werden muss – gerade wenn sich der Eindringling „merkwürdig“ verhält, was bedeuten könnte dass etwa Störapparaturen eingesetzt werden um die Aktivitäten zu verschleiern. 

Belegt wird das auch durch die Aussagen von UFO-Zeugen, die parallel zu den Vehikeln oft auch verfolgende Militärmaschinen beobachten. UFOs werden also registriert und man setzt Abfangjäger ein um sie zu verfolgen, ihr Erscheinen wird also nicht ignoriert wie von Alexander behauptet! 

Logisch ist auch dass die gewonnenen Daten ausgewertet werden, Forschung und Untersuchung also stattfindet! 

MILABs

Ziemlich emotional -und dadurch bedingt irrational- beschäftigt er sich mit dem Phänomen der „Military Abductions“ die wir als MILABs kennen. Es geht dabei um die Entführung von Menschen durch das US-Militär, oftmals „getarnt“ als Verschleppung durch vermeintliche Außerirdische. 

So werden von den Entführern Masken getragen, mittels Hypnose und anderen Techniken falsche Erinnerungen implantiert, als „Tatort“ werden futuristisch eingerichtete Räume gewählt usw., was offensichtlich dazu dient den militärischen Hintergrund zu verschleiern. 

Der eigentliche Grund dürfte sein sich mit solchen Methoden einer (möglichen) strafrechtlichen Verfolgung zu entziehen, wer glaubt schon Menschen die von „Aliens“ entführt wurden? 

Interessanterweise gibt es auch eine Substanz namens Dimethyltryptamin (DMT), die, wenn sie eingenommen wird, zu veränderten Bewusstseinszuständen führt in denen „Aliens“ / fremdartige Entitäten gesehen werden, die denen ähneln die auch „UFO-Entführte“ schildern. 

Dieser Umstand hat innerhalb der Ufologie die Frage aufgeworfen ob es überhaupt „echte“ (also durch „Außerirdische“ initiierte) Entführungen gibt. Das die US-Regierung Menschenversuche durchgeführt hat bzw. immer noch durchführt ist nicht neu (siehe hierzu die Projekte MKULTRA / Artichoke usw. – wer diese nicht kennt bitte googeln). 

Alexander kennt diese Projekte natürlich auch, behauptet aber fälschlicherweise dass die meisten Teilnehmer Freiwillige waren, was so aber nicht stimmt. „Verwendet“ wurden Strafgefangene, Patienten der Psychiatrie, Soldaten und Zivilisten, in der Regel gegen ihren Willen – siehe hierzu: Koch & Wech / Deckname Artischocke / Bertelsmann Verlag. 

Er bezeichnet die von MILABs heimgesuchten als „selbsternannte“ bzw. „angebliche“ Opfer, was ziemlich unverschämt ist, wenn man sich ansieht was diese erleiden mussten. 

Die MILAB-Thematik ist für ihn ein „Lügenmärchen“. Daneben bemängelt er, dass es keinen nachvollziehbaren Grund für die Eingriffe gäbe, was allerdings wohl eher eine rhetorische Feststellung ist, denn für „medizinische“ Experimente an Menschen fand sich bisher noch immer ein „Grund“. 

Ich persönlich empfand den Ton den er gegenüber den Betroffenen angeschlagen hat als zutiefst menschenverachtend! Wer wissen möchte wie solche Experimente –die sowohl die Psyche als auch die Physis zum Ziel hatten- durchgeführt wurden, findet im Internet Informationen über das Monarch-Project, interviewt hierzu wurde Herr Dr. Lammer! 

Eine interessante Fußnote, die nicht wirklich etwas bedeuten muss, ich spekuliere hier nur, findet sich in Alexanders Vita. Er schreibt dass er um das Jahr 1963 herum die Infantry Officer School in Fort Benning, Georgia, besuchte. Kurioserweise war diese einige Jahre später Ziel einer völlig bizarren „militärischen Übung“ die wirkt wie aus dem MILAB-Handbuch. 

Ob Alexander dort womöglich tiefere Einblicke in die MILAB-Thematik gewonnen hat und deshalb so emotional reagierte weiß ich natürlich nicht… 

Im Kapitel 15 („Grauzone“) beschreibt er, dass er während seiner Anwesenheit auf der UFO-Konferenz Victoria Jacks in San Jose | Kalifornien | USA im Jahr 2008, von einer Frau angegangen wurde, die ihm vorwarf bei einer ihrer „UFO-Entführungen“ zugegen gewesen zu sein. Er soll dort die Experimente an den Gefangenen beaufsichtigt haben. Alexander bezeichnete den Vorwurf als „Unsinn“. 

Cash-Landrum-CE² & PSP 

Alexander hat eine Arbeitshypothese entwickelt, mit der er meint Paraphänomene erklären zu können. Er nennt sie Precognitive Sentinent Phenomena (PSP). Diese geht von einer Interaktion zwischen dem menschlichen Bewusstsein und einer Fremdintelligenz aus. 

Diese Intelligenz weiß bereits im Vorfeld wie die menschliche Reaktion ausfällt und kann sich entsprechend nachmodulieren um nicht durchschaut zu werden. Solche Gedankengänge wurden bereits in der Vergangenheit geschickter formuliert, etwa im Rahmen der PSYCHIC INTERNET THEORY. 

Er meint nun damit auch den Cash-Landrum-CE²-Fall erklären zu können (wer diesen nicht kennen sollte möchte bitte googeln). 1980 beobachteten drei Zeugen in Texas ein „UFO“ und diverse Hubschrauber (CH-47 Chinooks) die es zu eskortieren schienen. Diese Hubschrauber hält er nun für „Hologramme“ die von der UFO-Intelligenz eingesetzt wurden um Verwirrung zu stiften, weil ihm der Gedanke nicht gefällt, dass die US-Militärs ggf. über ufoartige, unkonventionelle Flugkörper verfügen könnten und mit diesen Testflüge durchführen. 

Dabei offenbart er jedoch Informationslücken. Zum einen wurden in dem Areal bereits zuvor Hubschrauberrotten von mehreren Einwohnern ausgemacht, zum anderen gelang es einer Zeugin einen der Piloten später zu finden und bei diesem handelte es sich ganz offensichtlich nicht um ein Hologramm:
One day in April 1981, a CH-47 flew into Dayton. As Colby watched he became very upset. Vickie decided to take him to the spot where the helicopter had landed with the hope that it would seem less frightening on the ground. When they reached the landing zone, they found a lot of people there already and had to wait some time before they were allowed to go inside the helicopter and talk to the pilot. Vickie and another visitor both claim that the pilot said he had been in the area before for the purpose of checking on a UFO in trouble near Huffman. When Vickie told the pilot how glad she was to see him, because she had been one of the people burned by the UFO, he refused to talk to them further and hustled them out of the aircraft. (Wikipedia)
Resümee 

Wer mir bis hierhin gefolgt ist, wird wohl schon gemerkt haben dass ich dem Werk nicht viel abgewinnen kann. Stellenweise ist die (gespielte?) Naivität des Autors durchaus lustig zu nennen, etwa wenn er schreibt: 
Es wäre einfach undenkbar, dass das amerikanische Militär Übungen durchführt, die britische Bauern verärgern“. 
In diesem Kontext ist das ganz Buch gehalten. Verschwörungen etwa seien unmöglich, da sie gegen amerikanische Bundesgesetze verstoßen, solches mag noch Kinder überzeugen, wer sich jedoch die politischen Eskapaden der USA der letzten Jahrzehnte ansieht wird zu dem Ergebnis kommen, dass es kaum einen anderen Staat auf diesem Planeten gibt der vergleichbar viel Dreck am Stecken hat. 

Alexander war in den 1990gern Mitarbeiter von NIDS. Aufgrund dieses Umstandes sollte man eigentlich erwarten dass er neben seinen törichten Belehrungen auch neue Informationen verwendet hat, jedoch entstammen die meisten von ihm zitierten UFO-Zwischenfälle der Konserve, man hat alles schon mal irgendwo gelesen. 

Ein paar Anekdoten (meist „Tischgespräche“ / Smalltalk) werden zwar gereicht, aber hat das natürlich nichts mit effektiver Recherche zu tun. Ich wollte in diese Rezension ausdrücklich auch etwas Versöhnendes einflechten, jedoch fällt mir wirklich nichts ein was für den Autor sprechen könnte. 

Das Buch enthält keine neuen Informationen, ist stellenweise langatmig geschrieben (etwa wenn es um die bürokratischen Organisationsstrukturen in den USA geht) und der ausgesprochen naive „Untertanengeist“ (die USA sind immer ehrlich und aufrichtig) des Autors wirkt nur unfreiwillig komisch!

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