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Sonntag, 25. Oktober 2015

▪ scareoplanes ▪


Im März ist bei mir das Buch “UFOs of the First World War” von Nigel Watson eingetroffen. Es geht in diesem, Nomen est omen, um kuriose Luftaktivitäten vor und während des WW¹. Beim ersten durchblättern fiel mir auf, dass auch die heute bekannten UFO-Charakteristiken genannt wurden, etwa lautloses Schweben und der Einsatz von massivem „Suchlicht“ mit welchem der Luftraum bzw. der Boden illuminiert worden ist. 


Offenbar war den Zeugen dabei nicht klar was sie da sahen. Eine klassische Beschreibung lieferte ein Mann aus Ontario, Kanada, im Jahr 1914:
„…I cannot find anyone who heard the noise of the motors. […] I could not swear, though, that it was an aeroplane. All I can say is that it looked like one to me”.
Bei dieser Sichtungswelle bezeichnete man die Vehikel aufgrund ihrer unkonventionellen Erscheinung und ihres Flugverhaltens als „Scareoplanes“… 

Kurioserweise wurden diese Vorfälle damals mit deutschen Militäraktivitäten “erklärt”, wobei jedoch unklar blieb, warum diese mit starken Scheinwerfern operieren sollten. Diese Suchscheinwerfer wurden übrigens auch bei der Airshipwelle von 1896/97 eingesetzt (Bericht), spielte bei einem „Kryptidenfall“ 1903 eine Rolle (Bericht) und auch die „moderne“ Hudson-Valley-Welle war geprägt von Illumination (Bericht). Offenbar unterliegen „UFOs“ dem Zwang ihre Umgebung erleuchten zu müssen…

Die Sichtungswelle(n) / Flaps der „Mystery Airships“ begannen 1908 in den USA, Dänemark und Schweden. Bei den Skandinaviern wurden Luftschiffe mit Flügeln beobachtet. Ein Jahr später, im Zeitfenster von März bis Ende Mai, wurde Großbritannien heimgesucht. Die Vehikel tauchten über Ostengland, Südwales und Irland auf. 


Als besonders erwähnenswert erschien den Zeugen die relativ hohe Geschwindigkeit mit der sie sich bewegt haben sollen. Die Form wurde mit „torpedoförmig“ angegeben. Diese „Welle“ enthielt bereits alle „Zutaten“ die wir auch vom modernen UFO-Phänomen her kennen. 

Sie bewegten sich sehr schnell am Himmel, strahlten gleißendes Licht aus und waren ihrer Zeit technisch voraus. Hinzu gesellten sich auch die ersten „Begegnungen der Dritten Art“ da oftmals Piloten an Bord beobachtet worden sind. Besonders interessant ist in der Hinsicht ein Vorfall der sich am 18. Mai am Caerphilly Mountain, Südwales, abspielte. 

Ein Zeuge beobachtete ein zigarrenförmiges Luftschiff und zwei Männer mit Felljacken/Fellmützen die etwas vom Boden aufklaubten und sich dabei in einer unverständlichen Sprache unterhielten. Nachdem sie den Zeugen bemerkt hatten sprangen sie in ein am Luftschiff befestigtes Gestell und flogen davon. 

Licht spielte bei den Phänomenen (ich muss mich hier wiederholen) eine entscheidende Rolle. Die St Olaf, ein Schiff welches sich an der Küste vor Blythe, Northumberland, befand wurde von einem Luftschiff angeflogen. Es „parkte“ direkt über den Seeleuten und illuminierte sie mit fünf an Bord befindlichen Scheinwerfern um später wieder abzuziehen.

1909 erreichte die unbekannten Vehikel wieder die USA. Ein Wallace Elmer Tillinghast behauptete, dass die Sichtungen auf sein Luftschiff zurückgehen würden. Er habe einen geheimen Stützpunkt in Worcester, Massachusetts, errichtet. Belegen konnte er seine Aussagen jedoch nicht. Ob hier das „Namegame“ hineinspielt? 

Am 22. Dezember wurde über Worcester, ARKANSAS, ein Luftschiff von mehreren Zeugen beobachtet, darunter einer Truppe Polizeibeamter. Wie üblich schien starkes Licht von dem Objekt. Zeugen berichteten auch zwei rote, separate Lichter gesehen zu haben. Die Elemente „schwarze Masse“, „intensives Licht“ und „rötliche Leuchten“ kennen wir auch von „neumodischen“ UFOs. 

1913 ging es in UK heiß her, wobei diesmal nicht nur „Luftschiffe“ sondern auch bizarre Lichter gesehen wurden. Eine Zeugin beschrieb, dass von einem dieser Lichter Schwefelgestank ausging bzw. es roch wie Feuerstein. Andere schilderten die Lichter hätten ihr Gesicht verbrannt und die Haare versengt. 

Erklärt wurde dies mit „Leuchtkäfern“, phosphoreszierendem Gas und anderem, die „Deutung“ war damals nicht intelligenter als heute… Besonders dramatisch verlief die Begegnung der Othello, welche sich am 27. Februar 170 Meilen nordöstlich von Spurn Point auf hoher See befand. 

Ein Luftschiff setzte sich über sie und blendete die Besatzung, die sich vollständig an Deck versammelt hatte um den Besucher zu bestaunen. Es war taghell. Das Ereignis muss ziemlich dramatisch abgelaufen sein – siehe die zeitgenössische Skizze aus einer Zeitung unten: 


Die Lichtquelle / das Luftschiff umkreiste das Schiff dabei, hielt seine Scheinwerfer jedoch immer darauf gerichtet. Von dem „Ding“ gingen Propellergeräusche aus. Es verschwand westwärts. Der sicherlich interessanteste und „eindeutigste“ Fall spielte sich am 5. September 1914 ab. 

Damals war ein Polizeiboot auf der Thames unterwegs, als ein eiförmiges UFO dieses überflog. Die Gesamtsichtungsdauer betrug 2-3 Minuten, wobei es dem Flussverlauf folgte. Leider wird die Zeugenzahl nicht genannt, auch weitere Details finden sich nicht. 


Resümee 

Das die Besprechung dieses Buches gute vier Monate gedauert hat (bei gerade mal 220 Seiten) hängt nicht nur mit der unendlich langweiligen Schreibe des Autors zusammen. Er schaffte es tatsächlich ungezählte Luftschiff- und Flugzeugsichtungen jener Zeit aufzureihen, wobei sich dem Leser nicht erschließt, was das soll. 

Damals wurden effektiv Flugzeuge und Luftschiffe beobachtet, gemeldet wurde dies jedoch nur, weil man Feinde darin vermutete und nicht weil die Flugvehikel an sich irgendwie „exotisch“ waren! 

Die wenigen von mir übersetzen Reporte sind tatsächlich die besten die ich darin fand. Sie sind „strange“ genug zu belegen, dass damals außer den kriegführenden Parteien, auch noch jemand anders am Himmel unterwegs war…

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