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Dienstag, 18. April 2017

Kaspar Hauser und der "Besucher"

Die Tante von Kaspar Hauser

Über Kaspar Hauser ist seit dem Biedermeier bereits viel geschrieben worden. Die meisten Abhandlungen beschäftigen sich mit den Theorien seiner Abkunft, dabei wird oftmals vergessen dass die Phänomene die er, zumindest kurz nach seiner „Entlassung“ aus der Gefangenschaft, zeigte viel merkwürdiger sind und ggf. aufzeigen über welche „inneren“ Kräfte der Mensch verfügt. 
Die Quelle dieser Ausführung ist das Buch Der Fall Kaspar Hauser. Die ursprünglichen Unterlagen zum Fall, 49 Aktenbände in München, sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. 
Zuvor hatte die Dokumente u.a. Dr. Hermann Pies durchgearbeitet und viele Daten übernommen und somit gerettet. 
Isolationshaft 
Völlig unabhängig davon wer Hauser war oder nicht, was er später erzählte oder nicht, zeigten seine körperlichen Reaktionen und der Zustand seiner Physis durchaus dass er in Gefangenschaft gehalten worden ist. 
↔ Hausers Alter wurde auf etwa 17 oder 18 Jahre geschätzt. Dabei zeigte er jedoch ein durchgehend kindliches Verhalten. [Aussagen von Gefängniswärter Hiltel & Nürnbergs Bürgermeister Jakob Friedrich Binder, S. 16] 
↔ Fußsohlen und Hände waren ausgesprochen weich. [Aussage von Bürgermeister Jakob Friedrich Binder, S. 16/17] Er ist also offensichtlich nie viel gegangen und hat auch nicht gearbeitet. 
↔ Geruchs- und Geschmacksnerven waren übersensibel. Hauser konnte anfänglich nur Wasser und Brot zu sich nehmen. Erdbeeren, Milch und andere Lebensmittel vertrug er nicht [Verdauungsschwierigkeiten] und zeigte schon extreme Reaktionen bei deren Geruch. Dies galt übrigens auch für Blumen und Gewächse aller Art. Selbst bei geringster körperlicher Anstrengung fingen seine Hände an zu zittern und die Gesichtsmuskeln zuckten. [Aussage von Bürgermeister Jakob Friedrich Binder, S. 20] 
↔ „Leimartige“ Konsistenz des Speichels. [Aussage von Paul Johann Anselm von Feuerbach, S. 25] 
↔ Hauser hatte einen Wortschatz von etwa 50 Worten. [„Aussage von Augenzeugen“, S. 26] 
↔ Er vertrug kein Licht. Seine Augen entzündeten sich und schmerzten. Er vertrug auch keine lauten Geräusche und war sehr „hellhörig“. [Aussage von Dr. Osterhausen, Vertreter des Amtsarztes Dr. Preu, S. 27] Dies bestätigt die Aussage Hausers dass er über lange Zeit in einem abgedunkelten Keller gesessen habe und keinen Kontakt zu Sonnenlicht hatte. 
↔ Hauser konnte nicht reiten. [Aussage von Reitlehrer von Rumpler, S. 31] 
↔ Dr. Preu stellte fest, dass Hauser eine Knie-Anomalie aufwies. Wenn er auf der platten Erde saß lag die Kniekehlengegend plan auf der Oberfläche auf, während sie bei einem normalen Menschen aufragt. Diese Fehlbildung könnte durch langjähriges Sitzen mit durchgesteckten Kniegelenken hervorgerufen worden sein. [S. 127]
Innerhalb der kommenden 5,5 Jahre die er – bis zu seiner Ermordung - noch zu leben hatte, entwickelte er sich dank der zugeneigten Hilfe vieler Protegés zu einem ganz normalen jungen Mann, der lesen und schreiben konnte, Gedichte verfasste, ausgesprochen gut zu zeichnen verstand, flirtete und gerne tanzte. Sein eigentümliches Verhalten ergab sich also nicht durch eine Geistesstörung sondern war das Resultat seiner jahrelangen „Einzelhaft“. 
„Phänomene“ 
Hauser zeigte gewisse körperliche „Fähigkeiten“ die uns zwar merkwürdig erscheinen, die jedoch normaler Bestandteil der menschlichen Natur sein könnten. 
Aufgezeichnet wurden sie von Professor Georg Friedrich Daumer und Hausarzt Dr. Preu. 
↔ Nachdem man ihm beigebracht hatte zu lesen und zu schreiben konnte er dies auch bei völliger Dunkelheit. [S. 33] 
↔ Verwesung, Friedhöfe und unangenehme Ausdünstungen konnte er über 400 Schritte weit riechen. [S. 33] 
↔ Er konnte verschiedene Metalle, die mit einem Tuch verdeckt vor ihm lagen, erfühlen. Dabei spürte er ein „Ziehen“ in den Armen, je nach dessen Stärke konnte er die Metalle zuordnen. [S. 34] 
↔ Auf den Geruch von homöopathischen Substanzen reagierte er gelegentlich mit Nasenbluten. [S. 35] 
Die Frage ob Hauser „noch mehr“ gesehen hat, ggf. auch Geister aka Paranauten kann aufgeworfen werden. Professor Daumer schrieb: 
 
Im Jahre 1828 um die Mitte des Novembers fand ich Hauser einmal mit der Zeichnung eines männlichen Kopfes beschäftigt, der einen portraitähnlichen Charakter hatte. Er sagte mir, dieses Gesicht stehe ihm vor Augen und sehe ihn von der Seite an, so wie er es hingezeichnet habe. 
Als ich ihm bemerkte, dass das eine Auge nicht ganz nach derselben Richtung wie das andere blicke, so sah er abwechselnd auf die Zeichnung und dann nach der Gegend hin, in welcher der Kopf vor ihm zu schweben schien, wie jemand ein Porträt mit dem vor ihm stehenden Original vergleicht. Hierauf sagte er, der Kopf schiele auch wirklich so, wie er ihn gezeichnet habe.“ [S. 37f]
Men in Black, Morde & Attentate 
Am 17. Oktober 1829 erfolgte der erste Mordanschlag auf Hauser. Er wohnte damals bei Professor Daumer. Jemand war an der Tür, verschaffte sich Zugang und Schlug Hauser mit einem schweren Gegenstand auf den Kopf. 
Kaspar bezeichnete ihn als „schwarzer Mann“ und verglich ihn mit dem Schornsteinfeger. Das Gesicht konnte Hauser nicht wahrnehmen, da dieses mit einem Tuch verschleiert war. [S. 42ff] 
Interessant ist der Umstand dass beim Kaspar Hauser Eintrag auf Wikipedia steht, Hauser habe sich die Verletzungen selber zugefügt. 
Was dort allerdings nicht steht ist, dass es zwei Zeuginnen gab die fremde Männer beim Hause Daumers beobachtet hatten. 
Eine 64jährige Wäscherin sah dass zwei Fremde das Anwesen verließen, eine andere versicherte sie habe einen Fremden dabei beobachtet wie er unweit des „Tatortes“ seine Hände wusch. 
Signifikant ist nun, dass das „Zeitfenster“ in den drei Zeugenaussagen genau übereinstimmt. Mir ist nicht klar wieso man bei Wikipedia Hauser als Betrüger bezeichnet, während man selber Fakten unter den Tisch fallen lässt die Hausers Aussagen bestätigen! 
Wirk der „Schweigevorhang“ von damals noch bis in unsere Zeit hinein? Gibt es also noch heute Personen die nicht wollen dass die Wahrheit über Hausers Abkunft und Geschichte bekannt wird? 
Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach war ein deutscher Rechtsgelehrter. Er gilt als Begründer der modernen deutschen Strafrechtslehre. 
Seitdem Kaspar Hauser aufgetaucht war führte von Feuerbach eine Untersuchung nach der anderen durch um herauszufinden wer er ist und wer ihm die „Isolationshaft“ angetan hatte. 
Er verstarb am 29. Mai 1833, angeblich an einem Schlaganfall. Bereits zuvor hatte er zwei Schlaganfälle erlitten. Merkwürdig ist dass er einen Zettel mit folgendem Text kurz vor seinem Tod an die Familie weiterreichte: 
„Man hat mir etwas gegeben“. [S. 88] 
Nutzte jemand den Schlaganfall aus um ihn zu vergiften, oder gibt es Gifte, die ähnliche körperliche Auswirkungen haben wie ein Schlaganfall?
In „Der Kriminalfall Kaspar Hauser“ von Ferdinand Mehle [3te Auflage 2009] findet sich auf Seite 215 ein weiterer Hinweis zum Ableben von Feuerbach. Während er im Sterben lag ordnete er seine Obduktion an. Diese erfolgte auch, jedoch „verschwand“ das Protokoll spurlos, was ganz sicher nur purer Zufall war…
Ermordung 
Am 14. Dezember 1833 wurde Hauser von einem Unbekannten im Ansbacher Hofgarten niedergestochen. Kaspar Hauser starb am 17. Dezember 1833 gegen 22 Uhr an den Folgen der Stichwunde. 
Wenige Tage vor der Messerattacke wurde Hauser mehrmals von verschiedenen Zeugen in Begleitung eines Fremden in der Anlage beobachtet. 
Dabei ist auffällig dass sich die Männer erst in der Anlage getroffen hatten und nicht gemeinsam dort hin gingen. Die Zeugen konnten lediglich erkennen dass er etwa 40 Jahre alt gewesen sein dürfte, er bemühte sich sein Gesicht im weit hinauf gezogenen Mantel zu verbergen. [S. 97f] 
Nach der Tat wurde eine fremde Person von zwei Zeugen beobachtet. Der Gartengehilfe Georg Friedrich sah einen aus der Anlage davonlaufenden Mann. [S. 107f] 
Eine Näherin beobachtete offenbar die gleiche Person die aus dem Park kam und in Richtung der Eyher Straße lief. [S. 117] 
Bei Wikipedia kann man nachlesen dass sich Hauser die Wunden selbst beigebracht haben soll. Die Ärzte die ihn untersuchten kamen aber zu einem anderen Ergebnis: 
↔ Dr. Heidenreich: Versucht man es nun an sich selbst. […] die Richtung des Wundkanals einzuhalten, so ist solche kaum zu treffen. […] Dagegen ist diese Richtung von fremder Hand sehr leicht einzuhalten und alles ist viel leichter erklärbar, wenn man annimmt, dass ein vor Hauser stehender Mann diese Verletzung beigebracht habe. 
↔ Dr. Albert: […]…ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass die Wunde durch fremde, geübte Hand zugefügt worden ist. [S. 112]
Update: Das Buch „Kaspar Hauser – Kein Rätsel unserer Zeit“ von Kurt Kramer ist ausgesprochen flott geschrieben und informativ. Darin finden sich auch ein paar für mich neue Informationen: 
→ Als Hauser gefunden wurde, war er gerade mal 145 Zentimeter „groß“ und 140 Pfund schwer [70 Kilo! Bewegungsmangel?], rund 1,5 Jahre später war er um 12 Zentimeter gewachsen, also auf 157 Zentimeter. [S. 33] 
Dies hängt wahrscheinlich mit der Umstellung der Nahrung zusammen. In seiner Gefangenschaft bekam er nur Wasser und Brot. 
Wobei man das damalige Würzbrot oder Kraftbrot [Schwarzbrot mit Kümmel, Anis, Fenchel und Koriander] nicht mit der Pampe vergleichen kann die uns heute von der EU genormt als „Brot“ verabreicht wird. 
Der Zucker und Eiweißgehalt reichte zum Überleben also aus. Nach seinem Tode wurde er obduziert. Dabei stellte sich heraus dass er über sehr lange Zeit nur „Kohlenstoff haltende Vegetabilien“ [also Trockenbrot] zu Essen bekam. [Ferdinand Mehle, Der Kriminalfall Kaspar Hauser, S. 297] 
→ Die Gesichtsfarbe wurden von den ersten Zeugen die ihn sahen übereinstimmend als „bleich“ angegeben [S. 35], vom damals herrschenden sonnigen Mai hat er also nicht viel abbekommen. 
→ Er hatte an beiden Armen Impfnarben / Schutzpockenimpfungen. Geimpft wurden damals aber nur die vermögenden Stände. [S. 36] 
→ Der Hut den er trug war Kopfbedeckung mittlerer und höherer Stände. Auf dem Hutboden war eine Abbildung angebracht, sie zeigte das stilisierte München. [S. 36] 
→ Es wird behauptet dass Hauser des Altbayerischen mächtig war. Zu der Zeit sprach er keine 50 Worte. Sein erster Unterschlupf war die Familie des Gefangenenwärters Hiltel. Dort war Altbayrisch und nicht Fränkisch die „Amtssprache“. 
Er war dort etwa sechs Wochen und erweiterte seinen Sprachschatz. Möglich dass er sich in dieser Zeit den Dialekt angewöhnte, vor allem weil der Kontakt zur Frau Hiltel sehr innig war und er sie als „Mutter“ ansprach. Er wird sich folglich auch in der Sprache nach ihr gerichtet haben.
→ Hauser war Immunschwach, fing sich also recht schnell Krankheiten ein, was auf seine Isolationshaft zurückgeführt worden ist. Daneben konnte er selbst in völliger Dunkelheit dunkle Farbnuancen unterscheiden. 
Die einzigen Gewürze die er vertrug waren jene, die auch im Würzbrot vorhanden waren. Warme Kost war er nicht gewohnt, nahm er etwa eine Suppe zu sich fing sein linker Arm an zu zucken was bis in den kleinen Finger der linken Hand überging. [S. 57ff | S. 83] 
→ Er träumte manchmal in Latein, konnte den Text was die „Lautmalung“ betrifft wiedergeben: „Tua res est magno momento…“ – „Deine Sache ist von großer Bedeutung und darum hat es ein anderer in großem Ehrgeiz auf das Leben abgesehen“. Die Übersetzung stammte von Daumer und Bäumler. [S. 81] 
Noch 1870/71, also zur Reichsgründung, hat das Haus Preußen Unterlagen zum Fall Hauser aufgekauft [durch eine „Dame des Hochadels“] u.a. aus dem Bestand von Feuerbach. Diese sind seitdem „verschwunden. 
Daneben wusste die Schwiegertochter von Feuerbach, Henriette, offenbar mehr zum Fall, hielt sich jedoch an ein „Schweigegelübde“, was vernünftig erscheint wenn man bedenkt wie es dem erstochenen Hauser und ihrem vergifteten Schwiegervater ergangen ist! [S. 116] 
Die Abkunft Hausers muß so brisant gewesen sein, dass der deutsche Adel noch rund 40 Jahre nach seinem Tod versucht hat Spuren zu verwischen! 
Und wenn ich mir heute die Desinformation zum Thema ansehe, etwa der Eintrag bei Wikipedia, komme ich zu dem Schluß dass noch heute eine Aufklärung nicht erwünscht ist!
Update: Das Buch „Kaspar Hauser – Kein Rätsel unserer Zeit“ habe ich zwischenzeitlich abgeschlossen. 
Signifikant ist sicher, dass die Mörder Hausers bekannt sind, es liefen, unabhängig voneinander, zwei Anzeigen ein denen die Behörden jedoch NICHT (!) nachgingen: 
Der Zuchthäusler und Ex-Gastronom Ferdinand Dorflinger zeigte sich genau am Tag der Verjährungsfrist, also 20 Jahre nach dem Mord, selber an. Er gab zu Protokoll dass er und zwei andere Männer – ein Friedrich Horn und ein Johann Jakob Friedrich Müller, letzterer als „Messerstecher“ – daran beteiligt waren. Auftraggeber sei Johann Heinrich David von Hennenhofer gewesen, badischer Flügeladjutant und Direktor der Diplomatischen Sektion im Ministerium des Auswärtigen! 
Die Großbäuerin Bland aus Sommersdorf machte ebenfalls eine Anzeige. In ihren Diensten stand die Magd Johanna Katharina Cramer die mit Friedrich Horn leiert war und der ihr von dem „Auftrag“ berichtet hatte, was diese ihrer Dienstherrin erzählte. Auch in diesem Fall wurde nicht ermittelt, obwohl in beiden Anzeigen zumindest einer der Beteiligten namentlich genannt worden ist! 
Zumindest kann man von „Glück“ reden dass die Akten irgendwann zu den anderen Hauser-Dokumenten gelegt worden sind und dort die kommenden Jahrzehnte verstaubten und nicht vernichtet wurden!


Kommentare:

ananda96 hat gesagt…

Finde ich klasse das du dich des Falles Hausers annimmst...klingt spannderer als der Einheitsbrei der im Web existiert.
Mir stellt sich die Frage:
Kann es sein das Hauser unerwünschter Offspring des Hochadels war und er deshalb wie ein Tier weggesperrt wurde?
Wenn er viele Jahre einer Reizdeprivation (Sinnesentzug) ausgesetzt war ist es logisch anzunehmen das sein Wahrnehmungslevel drastisch gestiegen ist.

Diese Adelshäuser müssen ja bis heute bestehen und verbergen etwas, was in deren Kreisen wohl ein NoGo war?
Wer mit wem?

Grüsse, Frank, CR

Guido Schmitt hat gesagt…

Hallo.Das was ich gelesen habe klingt schon etwas Mysteriös.Sieht so aus als ob da irgend jemand etwas verschleiern möchte.

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