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Samstag, 28. Januar 2017

„Dodenlichter“ + Klabautermann

Mit Sagen aus Norddeutschland habe ich mich bisher weniger beschäftigt. In einem Antiquariat fiel mir nun „Norddeutsche Sagen → Schleswig Holstein, Friesland, Hansestädte“ vom Diederichs Verlag in die Hände. 
Den „Klabautermann“ hatte ich mir bisher immer als Zwerg mit Matrosenmütze und Holzbein vorgestellt ^^, war allerdings über seine wahre Gestalt etwas erstaunt: 
Wird an Bord jemand sterben, so zeigt sich in den Masten und Rahen einige Tage vorher ein bläuliches Licht, das immer auf und nieder tanzt. Dann kommt der Klabautermann bald und holt sich sein Opfer…“ [S. 32] [=UFOs & Human Mutilations in Peru!] 
Der Klabautermann ist wohl am ehesten mit einem Poltergeist zu vergleichen: 
Er neckte auf alle Weise die Matrosen und störte sie nachts in ihrer Ruhe, blieb aber gewöhnlich unsichtbar“. [S. 32] 
Doch nicht nur auf hoher See wurden mysteriöse Lichterscheinungen ausgemacht: 
Schloß Duborg | Flensburg: „…als das Gespenst mit kläglichem Ton in einer blauen Flamme dahinfuhr und verschwand“. [S. 36] 
Bei Missunde an der Schlei: „Oft haben Fischer blaue Lichter da gesehen, wobei sie immer ein Grausen angekommen ist“. [S. 50] 
Möwenberg an der Schlei: „Man hat da nachts Lichter und Flämmchen erblickt. […] …in einer Nacht ging ein Mann an der Schlei herauf, und wie er aufblickte, sah er auf dem Möwenberg ein helles Leuchten. […] …das Leuchten immer heller und heller wurde“…[S. 50]
Die Lichterscheinungen wurden im zeitgenössischen Sinne oft als „Omen“ gedeutet. In Schleswig etwa waren sie Vorzeichen kommender Eisenbahnverbindungen. 
Jahre und Jahrzehnte bevor die Eisenbahn durchs Land fuhr, wurden an den späteren Strecken „Ufos“ beobachtet: 
Die Eisenbahnen des Landes sind vielfach vorhergesehen worden. Einer […] sah die Lichter der Westbahn in den Wiesen bei Innien; […]; wieder andere sahen Lichter und Wagen ohne Pferde auf der Strecke, wo nun die Bahn von Neumünster über Rendsburg nach Norden geht; bei Friedrichsholm gingen Jahre vorher die Lichter hin und her, wo später die Husumer Bahn durch das große Moor gelegt wurde; […]; wo jetzt die lange Schleifbrücke bei Rendsburg hoch über den Kanal hinwegführt, zogen vorher schon die Lichter in Reihen wie eine glühende Schlange durch die Luft“ [S. 62] 
Ich bin in einem Artikel [=Strippenzieher der Orthoteny] bereits auf die Verbindung von Verkehrswegen und Ufos bzw. Lichtern die sich entlang von geraden Strecken quer durch die Landschaft bewegen eingegangen. 
Wussten“ die Schleswiger Lichter dass an den fraglichen geographischen Stellen etwas geplant war, haben sie sich womöglich einfach nur in der „Zeit“ geirrt? 
Doch nicht nur zukünftige Infrastrukturmaßnahmen sollen den „Lichtern“ bekannt gewesen sein, auch wussten sie Bescheid über kommendes Unglück und Todesfälle – und zwar in Form der „Dodenlichter“ [=†otenlichter] 
Dodenlicht nennt man ein brennendes Licht, das in finstrer Nacht nicht im Traum, sondern im Wachen jemand erscheint, und das einen Toten im Hause oder in der Familie anzeigt. […] Jahrelang kann ein solches Licht sich zeigen, bis das Unglück an der Stelle geschehen ist. […] Aber auch nach dem Unglück wandert das Licht dort draußen beständig hin und her…“. [S. 66]
 
Hamburg soll über „Elbgeister“ verfügt haben (noch verfügen?), Gestaltwandler die sich auch als Eulen präsentieren konnten. [S. 189] 
Eine interessante Parallele zu den heutigen CE4 [=Abductions] wo ebenso „Überirdische“ auftreten in deren Gefolge sich Eulen tummeln [=Deckerinnerungen]. 
Resümee 
In der Sagensammlung Norddeutschland sind Lichterscheinungen nicht so häufig vertreten wie in Sagenbänden aus dem Süden. 
Entweder hängt dies mit der Auswahl durch den Verlag zusammen, oder die Lichtkugeln tummeln sich eher jenseits der Küste im Binnenland. 
Der mythologische Hintergrund des „Klabautermann“ [=Lichtkugel + Poltergeist] ist jedoch interessant. Auf jeden Fall werde ich in der Hinsicht noch recherchieren…

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