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Donnerstag, 15. Juni 2017

Frau Arndt und die Ananas

Momentan lese ich gerade “Menschen, Pferde, weites Land”, die Kindheits- und Jugenderinnerungen von Hans Graf von Lehndorff. 
In seiner Kindheit litt der Autor an diversen Atemwegserkrankungen und hatte Asthma. Aus diesem Grunde fuhr er mit seinen Eltern zu einer „Magnetopathin“ namens Arndt nach Berlin die mittels Handauflegen helfen sollte. 
Die Frau hatte hellseherische Fähigkeiten und machte sich einen Spaß daraus Dinge zu erwähnen die sie nicht wissen konnte, etwa den Inhalt von verpackten Geschenken und Mitbringseln: 
Meine Mutter brachte ihr einmal ein Paket mit, dessen Inhalt ich nicht kannte, und dem von außen nicht anzusehen war, was es enthielt. Aber als Frau Arndt uns die Tür öffnete, sagte sie als erstes: ‚Oh, das ist aber nett, dass Sie mir eine Ananas mitgebracht haben’. Es war die erste Ananas, die ich in meinem Leben zu Gesicht bekommen habe“. [S. 38]
Wer Biographien bzw. Autobiographien liest die vor dem Dritten Reich angesiedelt sind, dem wird auffallen dass „Zukunftsprognosen“ über Krieg, Vertreibung etc. von ausgesuchten Personen immer wieder vorhergesehen worden sind. Ein solches „Medium“ war der Vetter des Autors Ulrich Finckenstein: 
Er war Prokurist der Industriebank in Berlin, beschäftigte sich aber nebenher eingehend mit Astrologie und sagte seinen Freunden die Zukunft voraus. 
Seine Horoskope waren überladen mit apokalyptischen Bildern. Er sagte den Krieg, den Tod von Millionen, die Vernichtung großer Städte, den Verlust der Heimat im Osten voraus. 
Aber es ging ihm damit ähnlich wie Kassandra in Troja: Man konnte sich das alles nicht vorstellen und sah in ihm deshalb nur einen interessanten Spinner“. [S. 256]

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